Perspektivenwechsel mit Michael Schmid

Amputierter Anwender mit Handbike

Der letzte Perspektivenwechsel für 2019 und damit auch meinen letzten Blogbeitrag für dieses Jahr, gibt es heute für euch. In der Vorweihnachtszeit wird auf viele soziale Projekte aufmerksam gemacht und ich möchte euch heute über eine tolle Aktion informieren, welche ihr unterstützen könnt.

Welches herausforderndes Ziel sich Michael Schmid für nächstes Jahr gesetzt hat und wie ihr einen Beitrag dazu leisten könnt, erfahrt ihr nachfolgend:

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

1998 hatte ich einen schweren Autounfall, bei der ersten Operation kam es zu Komplikationen, welche eine sehr schwere Infektion im linken Knie zur Folge hatten. Über 10 Jahre brach diese immer wieder aus und es wurde in über 70 OPs versucht das Bein zu erhalten, 2008 musste ich dann nach 2 Jahren Krankenhausaufenthalt amputiert werden.

2) Was ist die größte Veränderung für dich mit der Amputation gewesen?

Nach der Amputation hatte ich am Anfang mit mir zu kämpfen, vor allem die Diskriminierung durch die Gesellschaft machte mir zu schaffen. Ich bin nicht damit klar gekommen, dass ich von Leuten auf der Straße blöd angeschaut oder auch herablassend angesprochen wurde. Aber durch meinen Willen und meine Partnerin, die mich unheimlich gestärkt hat in der Zeit, habe ich es nach einer harten Reha und vielem Training geschafft, dass ich in meinem Beruf als Lkw-Fahrer wieder arbeiten konnte.

3) Was ist dein größter Ansporn gewesen wieder fit zu werden bzw. fit zu bleiben?

Mein größtes Ziel war es nie aufzugeben, damit ich meinen Beruf wieder ausüben konnte, habe ich jeden Tag viel Krafttraining gemacht.

Leider hatte ich am 14.02.2012 einen Arbeitsunfall. Beim Abladen von meinem Lkw bin ich vom Auflieger gestürzt und habe mich dabei am Amputationsstumpf und an der Schulter sehr schwer verletzt. Durch die Verletzung am Stumpf kann ich die Prothese nicht mehr tragen, da sich zweimal ein Neurom gebildet hatte und die operativen Entfernung hatte zur Folge, dass mein Stumpf taub ist.  Daher sitze ich seit 2012 im Rollstuhl und bin arbeitsunfähig.

Danach habe ich mir ein neues Ziel gesucht und ich möchte im nächsten Jahr mit meinem Handbike den Jakobswegs abfahren, von Sigmaringen nach Santiago de Compostela.

Für diese 4-5 wöchige Tour über 2.200 km suche ich noch Leute die mein Projekt unterstützen möchten.

Aktuell sind wir 2 Rollifahrer, mein Begleiter ist querschnittsgelähmt und Fotograf und wird die Tour mit seiner Kamera begleiten. Wir suchen noch weitere Mitstreiter die uns auf unserem Weg begleiten. Welche Einschränkung vorhanden ist, ist dabei nicht voranging, man sollte aber realistisch einschätzen können, ob man konditionell fit genug ist die Strecke mitzufahren.

Ansonsten kann man uns auch mit Spenden unterstützen und wir würden uns über Sponsoren sowie Pressevertreter für unser Projekt freuen. Das Geld wird für Verpflegung, Reparaturen der Rollis/Handbikes und für die barrierefreien Übernachtungsmöglichkeiten benötigt.

4) Welchen Rat würdest du anderen Amputierten geben?

Ich würde den Anderen sagen gebt euch nicht auf! Trotz Amputation seid ihr die gleichen Menschen wie davor, aber ihr müsst sehr viel an euch arbeiten und das Ziel vor Augen haben. Niemals aufgeben, fleissig trainieren und sehr viel mit der Prothese laufen üben.

5) Was möchtest du noch gerne loswerden und soll die Welt über dich erfahren?

Obwohl ich jetzt im Rollstuhl sitze, ist das kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Menschen mit Handicap die Hilfsmittel bekommen die sie benötigen. Ich musste 2 Jahre für meinen Rollstuhl und 5 Jahre für mein Handbike kämpfen und das kann nicht sein! Die Krankenkasse hatte mir vorgeworfen, dass ich nach der Neurom OP zu faul sei mit meiner Prothese zu laufen. Erst durch ein Gutachten des MDK und durch meine Beharrlichkeit, habe ich den Aktivrollstuhl bekommen den ich haben wollte. Auch für mein Handbike musste ich mehrere ärztliche Gutachten vorlegen und habe immer wieder Widerspruch gegen die Ablehnung eingelegt, bis mir die Anschaffung genehmigt wurde.

Es muss mit den Krankenkassen dringend gesprochen werden, damit die Betroffenen die Hilfsmittel schneller bekommen, die sie brauchen, um wieder ihren Alltag möglichst selbstständig zu meistern und sich fit zu halten.

Sinn und Zweck meiner Tour mit dem Rollstuhl und Handbike ist, auf die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung in diesem Bereich aufmerksam zu machen!

Wer Kontakt aufnehmen möchte kann mich gerne telefonisch oder per Mail kontaktieren: 

0176-42624538 oder eagle4545.70@web.de

Ich würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere von euch Michael unterstützen möchte. Das kann entweder in Form einer Spende sein oder ihr helft ihm natürlich auch, wenn ihr diesen Beitrag fleissig teilt und so möglichst viele Menschen darauf aufmerksam werden. Oder ihr werdet selbst Teil des Projekts und fühlt euch bereit die Tour, oder gegebenenfalls ein Teilstück, zusammen mit Michael selbst zu fahren.

Vielleicht findet sich ja auch noch der ein oder andere Sponsor der Michael tatkräftig unterstützen möchte. Ich denke hierfür ist das Geld sicher gut angelegt und dafür kann man ja mal auf den ein oder anderen (überteuerten) Glühwein verzichten. 

An dieser Stelle möchte ich mich bei euch Allen für eure Unterstützung in diesem Jahr bedanken und freue mich, dass ich durch den Blog immer wieder tolle neue Leute kennenlerne und sich Chancen für neue Kooperationen ergeben! Für 2020 sind bereits einige interessante Projekte geplant und ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!

Ich wünsche euch und euren Liebsten schöne Feiertage! Genießt die Zeit zusammen, seid dankbar für das was ihr habt und wir hören und lesen uns hoffentlich gesund und munter im neuen Jahr!

Eure 

CarbonEla

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