10 Dinge die mir geholfen haben mich wieder selbst zu finden

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Ab sofort heißt es jeden Tag Prothesen anziehen und sowohl Tragezeit, als auch Laufstrecke kontinuierlich verlängern. Es gibt gute und schlechte Tage und manchmal will ich die Prothesen einfach nur in die Ecke schmeißen. Es kostet richtig viel Kraft und zu diesem Zeitpunkt kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich mit den Prothesen mal einen ganzen Tag unterwegs sein soll.

Allerdings habe ich mein festes Ziel vor Augen und wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann bin ich bereit über Grenzen zu gehen. Jeder Schritt bringt mich meinem Ziel von einem selbstbestimmten Leben ein Stück näher. Je mehr ich wieder selbst machen kann, umso selbstsicherer werde ich wieder.

Denn ehrlich gesagt die Monate im Krankenhaus haben psychisch Spuren hinterlassen. Es gab eine Zeit, da hatte ich das Gefühl, als ob ich mich verloren habe. Ich war einfach nicht mehr ich. Ich war weder psychisch noch physisch die Person, mit der ich die letzten 30 Jahre verbracht habe.

Was hat mir geholfen mich wieder zu finden?

  1. Meine Familie & Freunde -> Alle die mir in der Zeit zur Seite gestanden haben, mich aufgefangen und Kraft gegeben haben. Allen voran meine Mutter. Ich weiß, für sie war des selbstverständlich, aber ich glaube ohne ihre Unterstützung und Liebe, wäre ich heute nicht mehr auf dieser Welt. Sie ist eine Löwenmutter, wie ich sie nur Jedem wünschen kann. Ich bin ihr unendlich dankbar.
  2. Mein Humor-> Ich lache gern und oft und laut! 🙂 Denn mit einer gehörigen Portion Galgenhumor geht Vieles einfacher.
  3. Meine Zielstrebigkeit-> Wenn ich mir was in den Kopf setze, dann zieh ich es durch. Auch wenn ich dafür meinen ganzen Mut aufbringen muss.
  4. Ins TUN kommen-> Jeden Tag wieder etwas mehr Selbstständigkeit zu erlangen und mein Schicksal wieder selbst in die Hände zu nehmen, das hat mir geholfen. Alles zumindest auszuprobieren und die Wörter „Das kann ich nicht“ aus dem Wortschatz zu streichen.
  5. Psychologische Hilfe annehmen -> Jeder soll selbst entscheiden, ob psychologische Beratung für ihn/sie in Frage kommt. Für mich kann ich sagen, dass es mir geholfen hat, einfach mal den ganzen Mist laut auszusprechen, der mir so durch den Kopf gegangen ist und dabei auf die Gefühle des Gegenübers keine Rücksicht nehmen zu müssen.
  6. Trennen von Energiefressern-> Damit meine ich Kontakte die dich runterziehen. Falsche Freunde. Zu der Zeit habe ich auch mein facebook-Konto gelöscht. Mir war es wichtiger mich auf die richtigen Leute zu konzentrieren, als mit Gott und der Welt oberflächlich in Kontakt zu stehen.
  7. Medizinisches Netzwerk aufbauen-> Ein gutes Netzwerk aus erfahrenen Physios, Orthopädietechnikern und Ärzten auf deren Fähigkeiten man vertraut, ist GOLD wert.
  8. Nicht nach dem „Warum“ fragen-> Die Warum-Frage kommt früher oder später. Warum ich? Warum jetzt? Warum so schlimm? usw. Dazu kann ich nur sagen: Bringt nix! Ich bin sehr rational, daher hab ich mich mit der Warum-Frage nie viel beschäftigt. Fokussiert euch besser auf Themen die ich noch ändern könnt und verschwendet eure Zeit nicht mit dem Warum.
  9. Nicht mit Anderen vergleichen-> Bei sich bleiben. Sich auf das konzentrieren was noch geht und nicht auf das was nicht mehr geht. Oberflächlich mag es Anderen besser gehen, aber 2 gesunde Beine sind keine Garantie auf Zufriedenheit. Genauso kann man mit ein/zwei Prothesen ein zufriedenes Leben führen.
  10. Austausch mit anderen Anwendern-> Kann ich nur Jedem empfehlen! Sei es vor oder nach der Amputation. Sucht euch eine Selbsthilfegruppe, sportliche Betätigung in einem Para-Verein oder klickt euch durch die sozialen Netzwerke. Infos findet ihr auch auf der Seite des BMAB. Es gibt ein ganz tolles Projekt seit 2014, das Peer Counseling, dazu werde ich euch ein anderes Mal mehr erzählen.

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu „10 Dinge die mir geholfen haben mich wieder selbst zu finden

  1. Hallo Jade, danke dir für dein Feedback! Freut mich, dass du denkst, dass es ihm ein Stück weit helfen könnte. Zudem finde ich toll, dass ihr Alle hinter ihm steht und ihn unterstützt. Auf jeden Fall soll er seinen Traum verfolgen wieder Laufen zu können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Sportfedern zu testen. Wünsche euch für die Zukunft alles Gute und haltet weiterhin so fest zusammen 🙂

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  2. Danke für diesen Beitrag! Ich habe einen Freund, der im letzten Jahr auch eine Beinamputation machen musste und immer sehr aktiv im Sport war. Das kam für ihn alles wie eine Bombe nach seinem Autounfall. Nach ungefähr 6 Monaten haben ihm seine Eltern eine Prothese versorgt und jetzt versucht er sich daran zu gewöhnen mit dieser zu laufen. Ich würde gerne diese Punkte die dir geholfen haben sich wieder selbst zu finden, mit ihm teilen. Wahrscheinlich fühlt er sich auch so, und weiß manchmal nicht genau wie es weiter gehen soll. Sein Traum ist es wieder laufen zu können, aber dafür braucht er eine spezial Prothese und jetzt muss er sich erst mal auf andere Dinge konzentrieren, um wieder mit sich selber zufrieden zu sein. Wir alle helfen ihm dabei und sind uns sicher er wird es schaffen! Danke!

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