Du bist nicht allein! Was ist Peer Counseling?

Peers im Krankenhaus

Wenn man sich mit dem Gedanken bzgl. einer bevorstehenden Amputation auseinandersetzen muss oder akut davon betroffen ist, stellt einen das vor viele Fragen und Herausforderungen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden damit umzugehen und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mir sehr geholfen hat, mich mit anderen Amputierten auszutauschen.

Während meiner Krankenhauszeit hätte es mir wirklich sehr geholfen, wenn mich Jemand mit einem ähnlichen Schicksal besucht und mir meine Fragen beantwortet hätte. Tatsächlich habe ich die Gelegenheit erst in der Reha bekommen und rückblickend hätte mir ein frühzeitigeres Gespräch mit einem erfahrenen Anwender viele Sorgen und Grübeleien erspart.

Das ist einer der Hauptgründe, warum ich mich 2014 dafür entschieden habe, mich für das Projekt „PIK- Peers im Krankenhaus“ zu engagieren. Der Grundstein dieses Projektes wurde 2010 durch das Unfallkrankenhaus Berlin gelegt, welches Patienten mit einer traumatischen Amputation die Unterstützung durch einen Peer ermöglicht hat. Gemeinsam mit dem Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e. V., der DGUV und der AOK, soll in dieser Form so vielen amputierten Patienten wie möglich geholfen werden. Das Projekt „Peers im Krankenhaus“ bietet Informationen und Schulungen für zukünftige Peers, sowie Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, Physiotherapeuten, Orthopädietechnikern und alle anderen Interessierten an.

Was ist ein Peer?

Ein „Peer“ ist ein „Gleichgestellter“, „Counseling“ bedeutet „Beratung“. Peer Counseling meint die „Beratung durch Menschen, die in ihrem Leben vergleichbaren Problemstrukturen ausgesetzt sind oder in der Vergangenheit waren wie die Ratsuchenden“.

Seit 2014 wurde die Ausbildung für Peers jedes Jahr im November in Berlin angeboten und das Projekt hat sich stetig weiterentwickelt. Jedes Jahr bieten die Organisatoren zum einen eine tolle Möglichkeit für angehende oder bereits praktizierende Peers sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und zum anderen durch Vorträge und Workshops ihr Wissen zu vertiefen.

Was sind die Ziele von Peer Counseling?

Den Betroffenen soll das Gefühl vermittelt werden, dass er mit dieser Situation nicht allein ist. Die Begegnung soll Hoffnung aufbauen und ermutigen. Zudem sollen Fragen zu allen Lebensbereichen beantwortet werden und somit Optionen eröffnet und die eigene Handlungsfähigkeit gestärkt werden.

Die Beratung des Peers soll die Arbeit von Ärzten und Psychologen unterstützen und kann dies auf keinen Fall ersetzen. Zudem ist es nicht Aufgabe des Peers für den Ratsuchenden zu entscheiden, Lösungen für denjenigen zu suchen und für den Anderen zu handeln.

Wo finde ich einen Peer in meiner Nähe?

Wenn du auch in der Situation bist, dass du dir den Austausch mit anderen Betroffenen wünscht, bietet der BMAB auf seiner Seite die sogenannte Peer-Landkarte an. Hier kannst du zu einem Peer in deiner Nähe Kontakt über den BMAB aufnehmen.

Link zur Peer-Landkarte

Welche Eigenschaften solltest du mitbringen, wenn du dich selbst als Peer engagieren möchtest?

Vielleicht möchtest du deine Erfahrungen auch gerne weitergeben und dich als Peer engagieren. Dafür solltest du möglichst folgende Vorraussetzungen erfüllen:

-> persönliche Erfahrung mit Amputation, dafür sollte genügend zeitlicher Abstand (ca. 4-6 Jahre) zu deiner eigenen Amputation sein

-> du solltest deine Amputation soweit emotional bewältigt haben, dass du wieder in deinem Alltag angekommen bist

-> du solltest Interesse an Menschen und ihren Geschichten mitbringen

-> du solltest dir Zeit nehmen können für die Gespräche

-> du solltest eine wertungsfreie Beratung anbieten

-> du solltest zuhören können

-> du solltest deine eigenen Grenzen kennen und beachten

Auf den bisherigen Fortbildungen habe ich schon viele tolle engagierte Menschen kennenlernen dürfen und hoffe das es noch viele mehr werden. Ich hoffe wir können gemeinsam noch viel mehr Krankenhäuser dazu bewegen zu verstehen, wie wichtig unsere Arbeit ist!

Stay strong! Think positive! Keep on walking!

2 Kommentare zu „Du bist nicht allein! Was ist Peer Counseling?

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