Amelos – Fetisch oder Krankheit?

Amelo Fetisch

Das Internet schafft es, dass Menschen sich über Kontinente und Sprachbarrieren hinweg vernetzen können. Für Amputees schafft es die Möglichkeit sich untereinander in Gruppen auszutauschen, dort Bilder zu posten und einander zur Seite zu stehen, auch wenn mehrere hundert Kilometer zwischen den Beteiligten liegen. Aber das Internet bietet auch die Möglichkeit der Anonymität, sich in sozialen Netzwerken mit Fakeprofilen anzumelden und über diese Profile gewisse Interessen zu befriedigen, mit denen man im echten Leben lieber nicht hausieren gehen möchte.

Dazu zählt der Amelotatismus. Amelotatismus oder auch Amputationsfetischismus, ist eine sexuelle Präferenz für Menschen mit fehlenden Gliedmaßen.

Wenn man in sozialen Netzwerken aktiv ist, Bilder von sich und/oder seine Prothese postet und/oder in einer der oben genannten Gruppen Mitglied ist, kann man sich sicher sein, dass man früher oder später von einem sogenannten Amelo kontaktiert wird. Überwiegend werden Frauen von männlichen Amelos angeschrieben oder es wird eine Freundschaftsanfrage versendet. Wenn ich eine neue Anfrage bekomme, prüfe ich in der Regel erst mal das Profil, wenn dann schon ersichtlich ist, dass viele andere amputierte Frauen in der Freundesliste sind oder die geposteten Bilder Rückschlüsse auf eine entsprechende Neigung feststellen lassen, lehne ich die Anfrage ab.

Allerdings bin ich mir sicher, dass sich der ein oder andere Amelo in meiner facebook-Freundesliste befindet und ich überlege mir daher gut, was ich für Bilder live gehen lasse. Denn eines sollte Jedem klar sein: Ein Bild das einmal hochgeladen wurde, bleibt für immer im Netz und für Amelos gibt es eigene Internetseiten und Foren auf denen sie untereinander entsprechende Bilder tauschen.

Des öfteren bekomme ich auch Chatanfragen, bei denen sich Amelos mal mehr und mal weniger große Mühe geben, ihre Neigung zu verschweigen. Kenne ich die entsprechende Person nicht und kommt mir das Profil verdächtig vor, stelle ich direkt die Frage, woher das Interesse an meiner Person kommt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann relativ schnell ein Eingeständnis der Neigung erfolgt. Falls nicht, frage ich auch direkt, ob die Person Amelo ist und stelle bei bejahen fest, dass von meiner Seite kein Interesse an einer sexuellen Beziehung besteht. Damit verlieren 95% der Amelos das Interesse an mir, da sie wissen, dass sie von mir keine Bilder oder Privateres erhalten werden.

Schmaler Grad zwischen Unnahbarkeit und Schutz der Privatsphäre

Je mehr man von sich und seiner Behinderung in der Öffentlichkeit preis gibt, desto mehr muss man damit rechnen, dass Amelos auf einen aufmerksam werden. Tatsächlich war das auch eine Überlegung bevor ich meinen Blog gestartet habe, denn auf einer öffentlichen Seite kann man nicht kontrollieren wer Zugriff auf welche Inhalte hat, sondern sollte sich gut überlegen, wie viel man von sich mitteilen möchte und das man sich gegebenenfalls als Person angreifbar macht. Natürlich ist es mir wichtig, auf meiner Seite meine Geschichte zu erzählen und meine Erfahrungen zu teilen, allerdings mache ich das in erster Linie für andere Amputees und ganz sicher nicht, um damit Amelos anzulocken. Daher bin ich bei meinen Beiträgen darauf bedacht, nur so viel wie nötig über mein Privatleben preiszugeben.

Als ich das erste Mal von dieser Neigung gehört habe, fand ich es einfach nur pervers und abstoßend. Ich habe auch von anderen amputierten Frauen ganz schlimme Geschichten gehört, die sich mit Amelos eingelassen haben, aber auch von amputierten Frauen, die glücklich sind in ihren Beziehungen mit Amelos. Grundsätzlich habe ich kein Problem mit Amelos, solange ich mit Respekt behandelt werde und ein NEIN von meiner Seite akzeptiert wird. Wie in allen Gruppen, gibt es natürlich auch hier schwarze Schafe, die nicht an den Menschen als solches Interesse haben, sondern nur an der Amputation und ihre eigene Befriedigung im Sinn haben.

Amelos selbst zu Wort kommen lassen

Da ich versuche offen und tolerant zu sein und gerne verstehen möchte, was in einem Amelo eigentlich vorgeht, habe ich einen Amelo gebeten mir ein paar Fragen zu beantworten und das ich die Antworten veröffentlichen darf:

Wie/wann hast du deine Neigung festgestellt?

In der Pubertät habe ich festgestellt, dass ich es schön finde, wenn ein Körper nicht komplett ist. Ich finde es sehr anziehend, wenn etwas fehlt.

Was genau fasziniert dich an amputierten Frauen?

Oft sind amputierte Frauen aufgrund ihrer Leidensgeschichte starke Persönlichkeiten. Ich empfinde Stümpfe als schön und finde Körper mit Prothesen besonders ästhetisch.

Hast du deine Neigung öffentlich gemacht? Falls ja, wie hat dein Umfeld reagiert?

Ich habe lange damit gehadert mich Jemandem mitzuteilen, aber mittlerweile weiß es meine Familie und mein engster Freundeskreis. Es war eine große Erleichterung für mich es ihnen zu sagen. Die Reaktionen auf mein Geständnis waren positiver, als ich erwartet habe. Ich würde damit aber nicht komplett an die Öffentlichkeit gehen, weil man oft auf Unverständnis trifft, warum man etwas attraktiv findet, was viele als Einschränkung sehen

Was denkst du, warum Amelos so ein schlechtes Image haben?

Amelos nutzen Portale wie facebook, um mit amputierten Frauen in Kontakt zu kommen. Oft erschließt sich durch das Internet für Amelos der erste Kontakt zu amputierten Frauen und sie sehen die Möglichkeit ihre Wünsche und sexuellen Phantasien, welche sie teilweise schon viele Jahre haben, für sich in Erfüllung gehen zu lassen. Zum Teil sind das aber auch verbittere Typen, welche ihre Neigung nie ausleben konnten und dafür verurteilt wurden. Diese Typen legen dann in Folge dessen irgendwann respektloses Verhalten gegenüber amputierten Frauen an den Tag. Grundsätzlich ist es schwer mit einer gesellschaftlich eher wenig akzeptierten Neigung umzugehen, aber es wird in den letzten Jahren schon etwas besser.

Woran machst du fest, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft gegenüber Amelos zunimmt?

Ich habe das Gefühl, dass die Amputierten selbst offener dafür sind als vor einigen Jahren noch. Wenn man einen netten Umgang bemüht ist, stößt man nicht mehr auf so viel Ablehnung wie früher. Aber auch generell ist die Gesellschaft toleranter gegenüber sexueller Andersartigkeit geworden. Wie überall gibt es auch bei Amelos angenehme und weniger angenehme Zeitgenossen. Schwer zu sagen, welche Gruppe da überwiegt, da die Dummen bekanntlich immer am lautesten schreien. 

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es für mich kein richtig oder falsch gibt bei diesem Thema. Mir liegt nur am Herzen, dass man sich offen darüber austauscht und es kein Tabuthema sein sollte. Vor allem junge Frauen mit Amputation oder Frauen mit einem geringen Selbstwertgefühl, sollten wissen, dass es Amelotatismus gibt und dass man es sich nicht gefallen lassen muss belästigt oder sogar gestalkt zu werden. Ich hoffe ich kann mit diesem Artikel etwas dazu beitragen…

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Thema Amelotatismus? Ich freue mich über euer Feedback!

Eure CarbonEla

 

 

 

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