Es lebe der Sport! (auch für Bewegungsmuffel)

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Ich war noch nie mega sportlich. Die einzige Person die ich vor meiner Amputation kannte, welche 2 Beinprothesen hatte, war Oscar Pistorius. Ihm wurde wg. einer angeborenen Gliedmaßenfehlbildung als Baby schon beide Unterschenkel amputiert, d.h. er hat von klein auf das Laufen mit Prothesen erlernt. Zudem war er paralympischer Spitzensportler und damit konnte ich mich jetzt beim besten Willen nicht vergleichen. Daher dachte ich, dass es für mich als 30jährige, nur mittelambitionierte Sportlerin, sehr lange dauern wird, dass ich annähernd an sein Gangbild herankomme.

Da ich ein Häufchen Elend war, als ich in der Reha aufgenommen wurde und durch das viele Liegen im Krankenhaus in den letzten Monaten, meine Muskeln praktisch nicht mehr vorhanden waren, war Sport unabdingbar, wenn ich auf die Beine kommen wollte. Und so ist es bis heute geblieben.

Besonders für uns Beinamputierte ist es wichtig das Gewicht zu halten wegen der Passform des Prothesenschaftes. Zudem erschwert jedes zusätzliche Kilo das Laufen. Neben dem Krafttraining, sollte Kondition und Ausdauer versucht werden zu steigern und ebenfalls Übungen für Gleichgewicht, Koordination und Rumpfstabilisierung gemacht werden.

Mein Ziel war und ist nicht einen Marathon zu laufen oder an den Paralympics teilzunehmen. Ich habe vollen Respekt vor allen die sportlich so ambitioniert sind, aber für mich steht im Vordergrund meinen Fitnesslevel soweit zu steigern oder zu halten, damit ich zum einen meinen Alltag gut meistern kann und darüber hinaus in meiner Freizeit die Sachen zu schaffen die ich gerne unternehmen möchte.

Ich habe nach der Amputation verschiedene Sportarten ausprobiert und mache aktuell zweimal die Woche eine Kombination aus Gerätetraining und Rehasport-Kursprogramm. In meinem Sportstudio bin ich die einzige mit Beinprothesen und mache alle Übungen mit oder versuche es zumindest. Womit ich mir schwer tue sind die Übungen im Einbeinstand und Ausfallschritt oder Kniebeugen. Allerdings bekomme ich dann immer Ersatzbübungen zugeteilt, meine Behinderung wird also nicht als Ausrede zugelassen. Die Kurse sind eine Mischung von Elementen aus Pilates, Bauch- und Beinübungen, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, Rückentraining usw.

Außerdem war ich beim Training der Parakanuten, habe mich nach langer Zeit mal wieder auf ein Pferd getraut und mich beim Yoga verrenkt. Aber am liebsten gehe ich neben meinen wöchentlichen Trainingseinheiten zum Badminton und für 2018 werde ich mir wieder ein eigenes Rad zulegen. Früher war ich gerne Schwimmen, seit der Amputation finde ich das eher schwierig. Mit den Badeprothesen fehlt die Bewegungsfreiheit und ohne fühle ich mich wie eine fremdgesteuerte Boje im Wasser.

Da ich nah an den Bergen wohne ist mein Traum wieder eine Bergtour machen zu können. Bisher hat es nur für kleine Wanderungen am Gipfel gereicht. Aber dieses Jahr bekomme ich meine neuen Prothesenfüsse mit Knöchelhydraulik und hoffe, dass damit kleinere Touren wieder möglich sind. Letzte Woche habe ich mich zusätzlich für einen Probemonat an der Kampfkunstakademie angemeldet und werde euch berichten, wann ich den schwarzen Gürtel mache 😉

Mit was haltet ihr euch fit? Oder ist Sport gar kein Thema bei euch? Freue mich auf euer Feedback!

Ein Kommentar zu „Es lebe der Sport! (auch für Bewegungsmuffel)

  1. Oh da bin ich sehr gespannt würde auch so gerne kampfsport machen, ich war mal bei einen Frauen Selbstverteidigungskurs Krav Maga, das war total cool und ging auch mit Prothese 😊👍. Würde auch so gern so vieles noch ausprobieren, aber irgendwie komm ich immer nur bis ins fitnesstudio, mir fehlt da etwas die Anleitung 😂. Hier gibt es ein Frauen kick Box Verein aber die sagten mir leider, dass sie keine Erfahrung haben mit Prothesenträgern und mich deswegen nicht aufnehmen könnten, schade.

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