Beine sind kein „must have“ um seinen Weg zu gehen!

Bücher über Menschen mit Handicap

Steh auf! Leichter gesagt als getan, wenn einem beide Füße amputiert wurden und man im Rolli sitzt. Aber die Fähigkeit Aufzustehen hat nicht nur etwas mit der körperlichen Verfassung zu tun, sondern immer wieder Aufzustehen ist auch eine Lebenseinstellung!

Was dir helfen kann an schlechten Tagen nach vorne zu schauen, habe ich mit dir schon im Beitrag „10 Dinge die mir geholfen haben mich wieder selbst zu finden“ geteilt. Darüber hinaus habe ich mich von vielen anderen Amputees inspirieren lassen, welche ich dir im Beitrag „10 Amputees die mich inspiriert haben!“ kurz vorgestellt habe.

Ich persönlich finde es immer sehr interessant die Geschichte hinter den Menschen zu erfahren, also nicht nur die Krankheitsgeschichte, sondern wie ihr Leben vor der Amputation war und wie sie sich danach zu den herausragenden Persönlichkeiten entwickelt haben die sie heute sind. Einige dieser beeindruckenden Lebensgeschichten wurden als Bücher verfasst, von denen ich dir heute 3 Bücher ans Herz legen möchte:

Die erste Biographie welche ich gelesen habe war „Sprint zurück ins Leben“ von David Behre. David hatte mit knapp 21 Jahren einen tragischen Zugunfall und verlor dabei beide Unterschenkel. In seinem Buch nimmt er den Leser mit bei seiner Entwicklung vom Rollifahrer zum Bladerunner. Denn David hat mit seiner Behinderung eine Laufbahn zum Profisportler eingeschlagen, ist mittlerweile Paralympic Sieger im Sprint, engagiert sich für soziale Projekte als Speaker und geht in Krankenhäuser um amputierten Patienten beratend zur Seite zu stehen. Tatsächlich habe ich Davids Buch bei einer Verlosung gewonnen inklusive persönlicher Widmung von ihm. Ich wusste zwar schon vorher was ihm zugestoßen war, aber das Buch gibt nochmal einen viel tieferen Einblick in seine Geschichte und an manchen Stellen musste ich das Buch für einen Moment aus der Hand legen, weil es mich so sehr berührt und an meine eigene Geschichte erinnert hat und ich so viele Parallelen zwischen uns sehe, ohne dass wir uns jemals persönlich begegnet sind.

Neben einen kurzen Rückblick in sein Leben vor dem Unfall, erhält man einen guten Eindruck wie die Zeit des wieder „auf die Beine“ kommen für David war, auch aus Sicht seiner Ärzte und Physiotherapeuten. Zudem erfährt man mehr über seine Entwicklung zum Profisportler und die damit verbundenen Highlights und Rückschläge. Als ich mit dem Buch fertig war, habe ich es meiner Mutter zu Lesen gegeben. Ich finde das Buch ist nicht nur eine gute Lektüre für Betroffene, sondern auch für deren Angehörige und Jeden der sich mit dem Thema Amputation, Prothesenversorgung und Resilienz beschäftigen muss bzw. möchte.

Es muss nicht immer eine Amputation sein

Meine zweite Buchempfehlung ist „Steh auf! Bekenntnisse eines Optimisten“ von Boris Grundl. Wie bin ich darauf aufmerksam geworden? Eines Tages saß ich im Büro an meinem Schreibtisch und bekam von unserer Teamassistentin eine eMail, ob ich Interesse hätte, spontan heute Abend die Eintrittskarte für einen Vortrag von Boris Grundl von einem unserer Vorgesetzten, welcher verhindert war, zu übernehmen. Da ich an dem Abend bereits andere Pläne hatte, habe ich einfach leichtfertig abgesagt. FEHLER!! Denn erst am nächsten Tag , habe ich gegoogelt, wer dieser Herr Grundl eigentlich ist. Dabei habe ich herausgefunden, dass er ein Management Coach und Keynote Speaker ist und bei namhaften großen deutschen Konzernen auf die Bühne fährt um deren Führungskräfte zu entwickeln. Warum schreibe ich fährt?

Weil er seit seinem 25. Lebensjahr, nach einem Klippensprung im Mexikourlaub, querschnittsgelähmt ist. Auch er nimmt uns in seinem Buch mit auf die Reise von der Nichtakzeptanz seiner Behinderung, der Angst als junger Kerl als Pflegefall zu enden, kein normales Leben mehr leben zu können und lässt uns teilhaben an den vielen kleinen und großen (mentalen) Schritten zu einem heute durch das Land reisenden selbstständigen Unternehmer, mit einem florierenden Business und einem ganz normalen Familienleben. Dieses Buch ist für mich wirklich absolut lesenswert, denn Herr Grundl schreibt in seiner direkten Art und spricht auch unangenehme Themen offen an. Es gibt wirklich viele Passagen die mich zum Nachdenken gebracht haben. Das Buch bringt einen wirklichen Mehrwert für diejenigen die an sich arbeiten wollen, bereit sind zu reflektieren und sich weiterzuentwickeln. Durch seine Aussagen und Denkanstöße bin ich auf die Idee zu meinem Blognamen „Perspektivenwechsel mit Prothesen“ gekommen, denn tatsächlich wird man durch das Buch immer wieder dazu angehalten seine Sicht der Dinge zu überdenken. Eine Stelle aus dem Buch möchte ich hier mit euch teilen, was bezeichnend ist für Boris Grundl: „GERADE DIE REDUKTION DER UNBEGRENZTE MÖGLICHKEITEN HAT IHRE VORTEILE. WÄHREND SICH MANCHER NOCH MIT EINER ENTSCHEIDUNG HERUMQUÄLT, BIN ICH LÄNGST UNTERWEGS!“

Sollte ich nochmal die Gelegenheit bekommen Boris Grundl live reden zu hören, werde ich die Chance auf jeden Fall ergreifen!

Auch Arme sind kein Glücksgarant

Last but not least möchte ich euch noch das Buch von Nick Vujicic „Mein Leben ohne Limits! Wenn kein Wunder passiert, sei selbst eines!“ kurz vorstellen. Nick hatte keinen Unfall oder eine schwere Krankheit, sondern er wurde ohne Arme und Beine geboren.

In seiner Biographie beschreibt er anschaulich die verschiedenen Phasen von seiner Geburt, über seine Kindheit , seine schwere Teenagerzeit bis hin zu seiner heutigen Lebenssituation. Auch er erzählt offen über seine Zweifel und Ängste. Hänseleien von anderen Kindern, angestarrt werden wie ein Alien, dem Wunsch „normal“ zu sein“ und die schmerzhafte Erkenntnis, dass er immer anders sein wird als die Mehrheit der Menschen um ihn herum.

In seinen dunkelsten Stunden hat er auch Suizidgedanken gehabt, hat sich Szenarien ausgemalt, wie er seinem Leben ein Ende machen kann. Was hat Nick geholfen wieder neuen Lebensmut zu fassen? Er hat seine Stärke im Glauben gefunden, dem Glauben daran, dass es einen Sinn hat, dass er ohne Arme und Beine geboren wurde. Um Barrieren und Vorurteile abzubauen, fing er an in seiner Kirchengemeinde und in seiner Schule über sich und sein Leben mit Behinderung zu erzählen. Heute hat Nick eine eigene Organisation und fliegt um die Welt um für Menschen eine Inspiration zu sein. Zudem nutzt er seine Reisen um sich Träume zu erfüllen, z. B. war er Surfen oder Tauchen! Ja das geht auch ohne Arme und Beine! Er erzählt Anekdoten aus seinem Leben und zeigt was er Alles erleben und was für tolle Menschen er treffen darf, welche er ohne seine Behinderung niemals erlebt oder kennengelernt hätte. Er hat seinen Sinn im Leben gefunden, er verschafft Menschen neue Perspektiven. Seine Überzeugung ist, dass man am reichsten wird, wen man sich verschenkt. Also anderen Leute zu helfen und positive Impulse zu setzen.

3 inspirierende Menschen die zeigen, dass eine Behinderung nicht bedeutet, dass das Leben vorbei oder nicht lebenswert ist. Ihr Leben ist nicht so verlaufen wie sie es für sich ursprünglich geplant oder gewünscht haben, aber sie haben einen anderen Weg gefunden, sich selbst zu verwirklichen, mit Mut und Flexibilität aus den verbleibenden Ressourcen das Maximum herauszuholen.

Vielleicht habt ihr jetzt Lust auch eines dieser Bücher zu lesen oder vielleicht habt ihr eine Buchempfehlung für mich? Der Sommer steht vor der Tür und ich brauche noch Lesestoff 🙂

Eure CarbonEla

 

 

 

 

5 Kommentare zu „Beine sind kein „must have“ um seinen Weg zu gehen!

  1. Habe auch einige gelesen von Albert Espinosa, der Autor von Club der roten Bänder. Die Bücher von ihm sind auch wahnsinnig toll und haben mich auch sehr bereichert. Kann ich nur empfehlen. Vorallem das erste, Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt.

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  2. Genau das trifft es auf dem Punkt!
    „Mit Mut und Flexibilität aus den verbleibenden Ressourcen das Maximum herauszuholen“

    Das Geheimnis meiner Kraft:
    ,,Ich gebe dem Schmerz einfach keine all zu große Aufmerksamkeit“
    ©2018 Jens Kramer

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