Amputees erzählen: Ist Endo-Exo Versorgung die Lösung?

 

Endo-Exo Prothesenversorgung

Immer wieder taucht das Thema Endo-Exo Prothesenversorgung in den Facebookgruppen der Amputees auf. Diese Art der Prothesenversorgung kommt ohne Schaft aus, denn hier wird ein Implantat im noch vorhandenen Knochen eingesetzt, welches dann die Verbindung zur Prothese darstellt. Immer mehr Anwender interessieren sich für diese Art der Versorgung. Wer Probleme hat mit herkömmlichen Schäften, wg. Schwitzen oder offenen Stellen, für den kann Endo-Exo eine dauerhafte Lösung sein.

Vereinfacht gesagt, besteht die Endo-Exo-Prothese aus zwei Teilen:

1) Ein Endosystemteil, das in den Knochen fest implantiert wird und mit diesem verwächst (Osseointegration).

2) Ein Exosystemteil, an das die Prothesenbauteile wie Kniegelenk oder sonstige Anschlussteile angeschlossen werden.

Endo

Durch diese Endo-Exo-Beinprothese verläuft die Kraftübertragung wieder so, wie es die Natur vorgesehen hat: über den Knochen. Das bedeutet maximale Mobilität und ein sicheres, harmonisches Gangbild ohne die störenden Randbereiche eines Prothesenschaftes.

WAS SIND DIE VORTEILE EINER OSSEOINTEGRATION?

Für Patienten mit Amputation bietet die Osseointegration gegenüber der Schaft-Prothese eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Mehr Beweglichkeit
  • Präzise Führung der Prothese
  • Mehr Aktivität
  • Größerer Tragekomfort u.a. auch beim Sitzen
  • Einfache Handhabung
  • Volumenschwankungen des Stumpfes haben keine Auswirkung
  • Direkte Verbindung zum Körper ohne Schaft

WAS KÖNNEN NACHTEILE EINER OSSEOINTEGRATION SEIN?

Als Nachteil gilt das tägliche mit Wasser und Seife zu reinigenden Stoma – also der Stelle, wo das Implantat aus der Haut tritt, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. In der ersten Phase nach einer Endo-Exo-Versorgung können vereinzelt Muskelschmerzen auftreten, die in der Regel nach einiger Zeit wieder abklingen, wenn die Muskeln fitter und stärker werden.

Zwei Amputess die sich der Operation unterzogen haben, nehmen uns nachfolgend mit auf ihrem Weg bis zur Entscheidung für das Verfahren und wie sie heute damit umgehen:

Anwender mit Endo-Exo Beinprothese

 

1) EUGEN was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Im Juli 2013 wollte ich Betonstufen mal kurz wegräumen, die ich zum Reinigen auf Böcke gelegt hatte. Dabei bin ich wohl gestolpert und die Stufen sind auf mein rechtes Bein gefallen. Offener Femurbruch, offener Schienbeinbruch, kaputtes Sprunggelenk und große Abschürfungen am Oberschenkel waren die Folge. Die Ärzte sagten mir es gibt eine 50/50 Chance, das Bein zu erhalten.

Nachdem ich schon einige OPs hinter mir hatte und mich ein ebenfalls Oberschenkelamputierter besucht hatte, habe ich mich in Abstimmung mit den Ärzten zur Amputation entschieden. Gefühlsmäßig existierte mein rechtes Bein nur noch bis zum Oberschenkel. Im Rest des Beines hatte ich keine Gefühle mehr. Ich wollte so schnell wie möglich wieder aktiv sein, zurück in mein Leben und zurück in meinen Beruf kommen. Im August 2013 wurde mein rechtes Bein amputiert.

2) Was ist die größte Veränderung für dich mit der Amputation gewesen?

Von Anfang an bin ich auf meine Mitmenschen offen zugegangen und habe mich so verhalten, wie sie es von mir auch vor der Amputation gewohnt gewesen sind. Ich glaube fast, dass es für die Menschen um mich herum mehr Veränderung war als für mich. Bis Dezember 2013 hatte ich noch keine Prothese.

Da meine Familie und ich im 1. OG gewohnt haben, war es am Anfang eine Herausforderung die Treppe hoch und auch runter zu kommen. Aber auch das hat dann geklappt. Dann bekam ich meine erste Prothese. Ich dachte, das bekommst Du nie hin.

Aber jeder Tag brachte Erfolge. Ich bin wieder voll in meinem Beruf eingestiegen. Als Dozent und Trainer für Anwendungssoftware bin ich die Hälfte der Woche oft in Schulungen oder stehe vor den Studierenden und halte Vorlesungen. Am Anfang sahen mich die Kunden und auch die Studierenden auch öfter ohne Prothese. Der Grund dafür war, dass ich mit der schaftgeführten Prothese Probleme bekommen habe. Dadurch bin ich zu Hause fast nur mit Gehstützen unterwegs gewesen.

3) Wie kam es zur Entscheidung die EndoExo-Versorgung machen zu lassen?

Seit längerer Zeit hatte ich mich damals auch schon mit der Möglichkeit einer EndoExo-Femurprothese (EEFP) beschäftigt. Aber auch meist gleich wieder verworfen. So ein Dauerpiercing, welches da dann immer aus dem Stumpf herausschaut – nein, sowas wollte ich nicht. Und dann die Infektionsgefahr bei sowas – bloß nicht.

Ich war wohl einer der größten Gegner einer EEFP.

Das änderte sich als eine sehr gute Freundin auf eine EEFP umgestiegen ist. Ich habe sie dann mit Fragen gelöchert. Wie sieht das aus? Wie ist das Gefühl? Hast du Schmerzen? Und so weiter. Sie hat mir alles gut erklärt und auch gezeigt. Weiterlesen „Amputees erzählen: Ist Endo-Exo Versorgung die Lösung?“

Stiftung Red Line bietet Hilfe für Amputees!

Handprothese

Über meinen Blog hat mich eine Anfrage erreicht, welche ich gern mit euch teilen möchte, vielleicht kann Jemand von euch davon profitieren!

Die privat finanzierte Stiftung RED LINE wurde gegründet, um Patienten nach einem Gliedmassenverlust wieder zurück zu Bewegung und Mobilität zu verhelfen. Nebst körperlicher und psychischer Belastung, kann eine Amputation auch finanzielle Schwierigkeiten nach sich ziehen. Die Stiftung möchte die Betroffenen unterstützen, mit diesen Problemen umzugehen und ihnen dabei helfen, in ein möglichst normales Leben zurückzukehren.

Mission

Die Mission von RED LINE ist den Menschen, die obere oder untere Gliedmaße(-n) verloren haben, zu helfen, um das Lebensniveau zu erhöhen und die Mobilität wiederzukriegen.
Der Zweck der Foundation ist Menschen mit Amputationen im Prozess der Rehabilitation und Prothetik zu unterstützen.
Im Bereich der Prothetik werden grosse Fortschritte gemacht und moderne Technologien ermöglichen es, die verlorene Mobilität weitgehend zurückzuerlangen. Leider kann sich nicht jeder Patient teure innovative Prothesen und eine hochwertige medizinische Versorgung leisten- hier kann RED LINE helfen! Die Stiftung versucht den betroffenen Patienten die effektivsten Massnahmen anzubieten, um sie wieder in ein möglichst normales Leben zurückzuführen.

WIE KÖNNEN WIR HELFEN

Die Prothesenversorgung muss auf den individuellen Amputationsfall abgestimmt sein. Medizinische Experten stehen den Patienten mit eingeschränkter Mobilität in allen Phasen der Prothesenversorgung zur Seite. Die Stiftung arbeitet mit den besten europäischen Kliniken und den weltweit führenden Herstellern von prothetischen und orthopädischen Produkten zusammen. Sie erstellen für jeden Patienten einen individuellen Rehabilitationsplan. RED LINE hilft bestmöglichst dabei, die verlorene Mobilität weitgehend zurückzuerlangen.
Die Stiftung ist in der Schweiz ansässig, unterstützt aber auch Menschen in Deutschland.
Solltet ihr Hilfe in Anspruch nehmen wollen oder ihr kennt Jemand der Unterstützung benötigt, dann nehmt gerne direkt Kontakt auf:
Claridenstrasse 25
8002 Zürich
+41 79 925 4600
info@redlinefoundation.ch

Blogs, youtuber & Podcasts die Amputees kennen sollten!

Amputees auf Social media

Es gibt sie!

Kennst du sie schon?

Ernährung, Fitness, Beauty dazu gibt es unzählige von Accounts. Wenn wir auf das Thema Amputation und Prothesen schauen, dann muss man schon mehr suchen, um passende Quellen zu finden.

Jeder hat seine ganz eigene Art mit seiner Geschichte umzugehen und sie zu erzählen. Die einen berichten über ihre täglichen Herausforderungen und Erlebnisse, auch abseits von Amputation. Andere nehmen uns mit von den ersten Schritten mit Prothese, dazugehörige Rückschläge und wie sie damit umgehen. Den ein oder anderen kennt ihr wahrscheinlich schon, aber vielleicht sind auch ein paar neue Quellen für euch dabei.

Oder vielleicht habe ich in euren Augen Jemand wichtigen vergessen!?! Dann schreibt mir gerne oder kommentiert unter dem Blogbeitrag, wer es unbedingt noch verdient hat hier aufgeführt zu werden- ich lass mich gerne aufschlauen 😉

Nachfolgend habe ich für euch die interessantesten Seiten verlinkt:

Amputee Blogs

„Ich bin frey“

– Dr. Thomas Frey ist Sportler auf einem Bein und ohne Prothese.

„Das Leben mit Handicap“

– Lisa Scher ist ein lebensfroher Mensch mit einem Handicap, der anderen Menschen Mut machen möchte.

„Traum vom Laufen“

– Maria Tietze ist Leistungssportlerin beim TSV Bayer 04 Leverkusen und gehört zum Team Deutschland Paralympics.

„Entwicklung macht lebendig“ 

Jochen Reinert nutzt seine Erfahrungen nach der Amputation, um Andere in deren Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

„The Active Amputee“

– Björn Esser berichtet über seine Reisen und Aktivitäten mit Prothese.

„Ampulife“

– Karl Feichtinger verlor mit 23 Jahren sein Bein wegen Knochenkrebs.

Dontdisableyourspirit“

– Kelsey Koch zeigt wie man sich mit Prothese und Yoga fit hält.

 

Amputee Youtuber

Tom Native 

Kaitlyn Dobrow

Mein Bein und Ich

Amputee Podcasts

Prothesengemeinschaft (ist von apt Orthopädietechnik und gibt es auch als App)

Klickt euch doch mal durch die Seiten, vielleicht ist das ein oder andere Interessante für euch dabei. Denke damit seid ihr jetzt erstmal bis Weihnachten beschäftigt 😉

Freue mich wie immer über euer Feedback!!

Phantomschmerzen – ein unerklärliches Phänomen?!

Phantomschmerz

Oftmals denkt man mit der Amputation ist das Schlimmste überstanden und hofft langwierigen Schmerzen ein Ende zu machen. Dann kommt die Ernüchterung: Phantomschmerzen betreffen zw. 70-80 % aller amputierten Patienten! Also ein Thema mit dem sich fast jeder Amputee auseinandersetzen muss und daher möchte ich euch nachfolgend einige Einblicke inkl. möglicher Therapiemethoden geben:

Was ist Phantomschmerz?

Als Phantomschmerz bezeichnet man die Schmerzen in einem Teil von Körper, der nicht mehr da ist. Wie zum Beispiel ein Stechen/Kribbeln von den Zehen, obwohl das Bein amputiert wurde. Phantomschmerzen können bei jeder noch so „kleinen“ Amputation vorkommen – ein Finger, eine Zehe, sogar bei einem Zahn oder dem Blinddarm.

Dieser Schmerz kann sich bei Jedem ganz unterschiedlich anfühlen: Brennen, Stechen, Reißen, Kribbeln, Quetschen, Zucken, Spannungsgefühl bis hin zum Jucken.

Was sind die Ursachen für Phantomschmerzen?

Die Forscher sind sich noch nicht ganz einig woher die Phantomschmerzen eigentlich kommen. Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass das Gehirn eine „Karte“ vom Körper hat, und wenn diese nicht mehr mit dem Körperbild zusammenpasst werden Schmerzwellen ausgesandt.

Des Weiteren wird vermutet, dass es eine Art „Schmerzgedächtnis“ gibt. Das heißt man gewöhnt sich an chronische Schmerzen und bekommt sie noch schwerer weg. Stellen die man vor der Amputation deutlich gespürt hat (z.B. aufgrund von Schmerzen) fühlt man auch nach dem Eingriff intensiver.

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Peer Counseling- Hilfe zur Selbsthilfe

Peer Unterschenkelprothese

Habt ihr selbst eine Amputation hinter euch? Könnt ihr euch noch an die Sorgen und Ängste erinnern, welche euch beschäftigt haben? Wer hat euch in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden? Wer hat verstanden was ihr durchmacht? Bei den meisten werden es Familie und Freunde gewesen sein. Darüber hinaus kann aber auch der Austausch mit Menschen die bereits Lebenserfahrung mit dem Leben ohne Bein(e)/Arm(e) haben eine Unterstützung im Rehaprozess sein. Wer kann besser verstehen was einen nach einer Amputation beschäftigt, als Jemand der selbst diese Erfahrung gemacht hat?

Mir persönlich hätte es sehr geholfen, wenn ich in den 8 Monaten im Akutkrankenhaus Jemand an die Seite gestellt bekommen hätte, der mir als selbst Betroffener meine Fragen beantwortet hätte. Anstatt mir heimlich Antidepressiva in meinen Berg von Medikamenten unterzuschmuggeln, hätte mir ein offener und ehrlicher Austausch so viel mehr gebracht in meiner damaligen Situation. Übrigens habe ich die Antidepressiva nach wenigen Tagen, gegen den Rat der Ärzte, wieder abgesetzt. Ich bin kein Freund davon, Probleme im Leben zeitweise weichzuspülen, nur damit sie einen später um so härter treffen. Ich bin Fan von klaren Ansagen und mag es gar nicht, wenn man versucht mir Sch…. als Gold zu verkaufen. Erst als ich direkt im Anschluss in die Rehaklinik kam, konnte ich bei Anderen und dann auch bei mir selbst sehen, was Alles wieder möglich ist. Das hat mir so viel Auftrieb und Kraft gegeben, dass ich wieder Lust auf das Leben hatte, auch ohne meine Beine.

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Namaste – YOGA für Amputees

Yoga mit Unterschenkelprothese
Instagram: @dannevins / Via instagram.com

Wer sich nicht bewegt, der bewegt nichts!

Das ist eines meiner liebsten Zitate, denn Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil, um möglichst lange schmerzfrei zu bleiben oder schmerzfrei zu werden. Durch meine Krankheitsgeschichte ist mir sehr bewusst vor Augen geführt worden, dass ein aktives und schmerzfreies Leben keine Selbstverständlichkeit ist. Ich bin sehr dankbar, dass mein Körper es schafft meine Beeinträchtigungen so gut auszugleichen. Dennoch ist mir bewusst, dass ich älter werde und das Laufen mit Prothesen von meinem Körper einiges abverlangt. Meine persönliche Schwachstelle ist der untere Rücken und Rumpfstabilität, da ich beim Laufen darüber viel ausgleichen muss.

Es gibt viele Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen und zwar mit und ohne Prothesen. Um sich fit zu halten, braucht man nicht zwangsläufig eine teure Sportprothese oder einen Vertrag im Fitnessstudio. Zum Beispiel bietet Yoga Jedem die Möglichkeit, etwas Gutes für den Körper und für die Seele zu tun. Yogaübungen verfolgen zumeist einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringen soll. Angestrebt wird eine verbesserte Vitalität und gleichzeitig eine Haltung der inneren Gelassenheit.

Der ganzheitliche Ansatz beim Yoga ist auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen geeignet. Da es bei vielen Übungen um Balance geht, traut sich der ein oder andere wahrscheinlich Yoga nicht zu. Aber viele Übungen kann man den individuellen Bedürfnissen anpassen und somit wird barrierefreies Yoga ein immer größeres Thema,

Der erste Yoga-Lehrer mit Amputation auf den ich aufmerksam geworden bin, ist Dan Nevis (er ist auf dem Bild zu sehen). Dan hat 2004, im Einsatz während dem Irak-Krieg, beide Unterschenkel verloren. Allerdings war damals Yoga nicht der Sport den er sich für sich vorstellen konnte. Es wollte sich selbst beweisen wie leistungsfähig er mit seinen Prothesen ist und probierte sich in allen möglichen Actionsportarten aus und bestieg sogar den Kilimanjaro. Als er jedoch 2014 nach einer weiteren Operation für mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt war, verfiel er in schwere Depressionen und stellte sich seiner posttraumatischen Belastungsstörung, welche als Spätfolge durch die Erlebnisse im Irakkrieg auftrat. Laut Statistik nehmen sich täglich 22 ehemalige Soldaten in den USA das Leben, weil sie mit den schrecklichen Erfahrungen aus ihrem Einsatz nicht fertig werden. Dan wollte nicht Teil dieser traurigen Statistik werden und vertraute sich einem sehr guten Freund in seiner schwierigen Situation an. Durch diesen Freund probierte  er dann zum ersten Mal Meditation und Yoga aus.

Weiterlesen „Namaste – YOGA für Amputees“

Autofahren mit Beinprothesen- was gibt es zu beachten?

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Wir haben schon einiges zusammen erlebt, du kommst mit mir wohin ich will und ich kann immer darauf vertrauen, dass du auf mich wartest. Ich hab dich auch schon mal verletzt, aber immer wieder dafür gesorgt, dass es dir wieder gut geht. Ich hoffe wir bleiben noch viele Jahre glücklich zusammen! Ich liebe dich- mein AUTO! (oder um wen dachtet ihr das es geht? ;))

Bis zu meiner Amputation hatte ich kein eigenes Auto und habe es in der Stadt auch nie vermisst. Als meine Familie voller Überzeugung war, dass es für mich eine unerlässlich große Hilfe sein würde ein eigenes Auto zu haben, war ich Anfangs gar nicht begeistert. Wer in einer Großstadt wohnt, kennt meine Bedenken:

  • ewig lange Parkplatzsuche
  • Staus während dem Berufsverkehr
  • zusätzliche Ausgaben für Benzin, Parken, Tiefgaragenstellplatz
  • Kosten für Anschaffung, Umbau und Reparaturen usw.

Schließlich habe ich mich aber überzeugen lassen, dass ich mir mit der Anschaffung eines Autos selbst das Leben leichter mache und habe angefangen mich zu erkundigen was ein passendes Auto für mich ist.

Da ich trotz 1,5 Jahren Krankschreibung noch in einem unbefristeten und ungekündigtem Arbeitsverhältnis stand und bereits 15 Jahre Rentenversicherungs-beiträge (ich habe nämlich vor meinem Studium bereits eine Lehre absolviert) eingezahlt hatte, übernahm die Rentenversicherung alle Kosten für die Anschaffung, den Umbau und für die Umschreibung des Führerscheins. Das ganze nennt sich KfZ-Hilfe.

WICHTIG: Der Antrag muss unbedingt vor der Anschaffung des Fahrzeugs gestellt werden. Zudem musste ich alle Kosten vorstrecken und habe das Geld dann rückwirkend von der Rentenversicherung erhalten, nachdem ich die Rechnungen eingereicht hatte. Weiterlesen „Autofahren mit Beinprothesen- was gibt es zu beachten?“

11 Firmen die aus deiner Prothese ein Designerstück machen!

Frau mit Armprothese

Die Temperaturen steigen und die Hosen und Röcke werden kürzer und unsere Prothesen sind wirklich zu teuer um sie zu verstecken oder?

Manche Amputees tragen sogar ganzjährig kurze Kleidung (zumindest auf der amputierten Seite). Für viele von uns ist die Prothese nicht nur ein Hilfsmittel, sondern ein Teil von uns und da es sowieso nicht klappt das ganze Metall zu verstecken, warum nicht aus einer Prothese einen Hingucker machen? Neben der möglichen individuellen Gestaltung des Schafts, gibt es seit einigen Jahren auch Cover für Prothesen von verschiedenen Herstellern.

Ich selbst bin auch am liebäugeln mit einem Cover für meine Prothesen. Bisher habe ich ein Paar mit Silikonüberzug, was das Aussehen eines echten Beines nachahmt, mein anderes Paar Prothesen habe ich ohne Kosmetik. Auf der Messe OT World, welche Mitte Mai in Leipzig stattfand, konnte ich mir das ein oder andere Cover live ansehen und anfassen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass jedes Cover individuell für den jeweiligen Kunden angefertigt wird und ein Unikat ist. Die Firmen bieten verschiedene Designs, eine Vielzahl an Farbvarianten und Cover aus verschiedenen Materialien an. Ich kam mir wie beim Shoppen im Schuhladen vor-> einfach zu viel Auswahl!!

Vielleicht möchtet ihr eure Prothese auch gerne aufpimpen, daher habe ich euch nachfolgend eine Übersicht der mir bekannten Firmen zusammengestellt:

www.unyq.com

(für iOS gibt es eine App mit der ihr euer individuelles Design konfigurieren könnt)

www.alleles.ca

www.rslsteeper.com (Skinergy Silikonkosmetik für einen natürlichen Look)

www.ergoles.de

www.wako3d.com (mit der neuen Marke ce:koon im Bereich Prothesencover)

www.thecoverstudio.com

www.vikton.com

www.anatomic-studios.com

www.art4leg.com

www.aqualeg.com (mit den Wave Covers bekommt ihr den Überzug in vielen Farben)

www.idethnos.com (mit der Marke Confetti für Prothesencover)

Wie die Prothesen auch, sind die Cover nicht ganz billig und es gibt diverse Unterschiede in Qualität, Praktikabilität und Widerstandsfähigkeit. Natürlich stellt sich zudem auch die Frage nach Kostenübernahme. Die Cover können mehrere hundert bis tausend Euro kosten.

Grundsätzlich muss die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernehmen, am Besten ihr fragt bei eurer jeweiligen Krankenkasse nach in welcher Höhe sie das Cover bezuschusst. Gegebenenfalls müsst ihr bei nur anteiliger Zahlung der Krankenkasse den restlichen Betrag aus eigener Tasche drauflegen.

Ich finde es super, dass es immer mehr Firmen gibt die sich um das Design der Prothesen kümmern, denn das zeigt, dass immer mehr Amputees Interesse haben sich mit ihrer Prothese zu zeigen und damit dazu beizutragen, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet.

Denn ob mit Cover oder ohne, Jeder soll selbst entscheiden wie er sich wohl fühlt und vor die Tür gehen möchte. Ich halte euch auf dem Laufenden wie es bei mir mit dem Cover weitergeht, aber wenn ich so auf meine Entscheidungsfindung bei den Prothesenfüßen zurückschaue, habe ich die Vermutung, dass das noch etwas dauern könnte 😉

Euch viel Spaß beim Durchstöbern der Seiten und einen guten Start in die neue Woche!

Eure CarbonEla

Du bist nicht allein! Was ist Peer Counseling?

Peers im Krankenhaus

Wenn man sich mit dem Gedanken bzgl. einer bevorstehenden Amputation auseinandersetzen muss oder akut davon betroffen ist, stellt einen das vor viele Fragen und Herausforderungen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden damit umzugehen und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mir sehr geholfen hat, mich mit anderen Amputierten auszutauschen.

Während meiner Krankenhauszeit hätte es mir wirklich sehr geholfen, wenn mich Jemand mit einem ähnlichen Schicksal besucht und mir meine Fragen beantwortet hätte. Tatsächlich habe ich die Gelegenheit erst in der Reha bekommen und rückblickend hätte mir ein frühzeitigeres Gespräch mit einem erfahrenen Anwender viele Sorgen und Grübeleien erspart.

Das ist einer der Hauptgründe, warum ich mich 2014 dafür entschieden habe, mich für das Projekt „PIK- Peers im Krankenhaus“ zu engagieren. Weiterlesen „Du bist nicht allein! Was ist Peer Counseling?“

10 Amputees die mich inspiriert haben!

Frau steht aus Rollstuhl auf

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als mein Bruder mir eines Tages eine Zeitschrift mit ins Krankenhaus gebracht hat. Darin war ein Artikel von Amy Purdy. Ihr mussten im Alter von 19 Jahren wg. Meningitis beide Unterschenkel amputiert werden.

Auch sie hat sich zurückgekämpft, ist heute 38 Jahre alt und arbeitet als Motivationscoach, hat bei der Fernsehsendung „Dancing with the stars“ mitgetanzt und hat bereits mehrere Medaillen als Snowboarderin bei den Paralympics gewonnen. Sie und noch einige andere tolle Persönlichkeiten die in der Öffentlichkeit stehen und mich sehr beeindruckt haben, möchte ich euch heute vorstellen:

Amy Purdy (beidseitig Unterschenkelamputiert) Sportlerin, Speaker und Gründerin eines Charity Projekts für körperlich beeinträchtigte Sportler-> lest ihr Buch „On my own two feet“!!

Hugh Herr (beidseitig Unterschenkelamputiert) Leiter der Biomechatronik-Forschungsgruppe am MIT Media Lab; Entwickler bionischer Beinprothesen

Vanessa Low (beidseitig Oberschenkelamputiert) deutsche Leichtathletin, spezialisiert auf Weitsprung und Sprint; Paralympics-Siegerin, Welt- und Europameisterin

David Behre (beidseitig Unterschenkelamputiert) deutscher Sportler spezialisiert auf Sprint; Weltmeister und Paralympics-Sieger; Motivationstrainer

Erin Ball (beidseitig Unterschenkelamputiert) Zirkusakrobatin

Mama Cax (einseitig Oberschenkelamputiert) Model

Heinrich Popow (einseitig Oberschenkelamputiert) deutscher Leichtathlet, spezialisiert auf Weitsprung und Sprint; Paralympics-Sieger, Welt- und Europameister; Motivations- und Nachwuchstrainer

Albert Espinosa (einseitig Oberschenkelamputiert) Bestsellerautor („Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt“ sind Espinosas Memoiren aus der Zeit mit Krebs, wurde in Deutschland unter dem Namen „Club der roten Bänder“ verfilmt)

Viktoria Modesta (einseitig Unterschenkelamputiert) Musikerin

Adriele Silva (beidseitig Unterschenkelamputiert) Triathletin

Natürlich gibt es noch viel mehr Beispiele für tolle Menschen, die sich trotz Verlust ihrer Beine nicht ihren Lebensmut haben nehmen lassen. Wer hat euch inspiriert?