Perspektivenwechel mit Angelika Trabert

Angelika Trabert mit Pferd

Über Social Media bin ich auf eine weitere Powerfrau aufmerksam geworden und verfolge seitdem fleissig ihre Auftritte als erfolgreiche Dressurreiterin, ihr ehrenamtliches Engagement als Ärztin in Westafrika, als Repräsentantin der deutschen Parasports für die olympischen Spiele 2020 in Tokio und vieles mehr. Dabei rückt die Tatsache, dass Angelika ohne Beine unterwegs ist absolut in den Hintergrund.

Ich freue mich sehr, dass sie sich bereiterklärt hat beim Perspektivenwechsel teilzunehmen und viele spannende Einblicke in ihr Leben zu geben:

1) Was ist der Hintergrund, dass du auf Hilfsmittel angewiesen bist?

Ich wurde 1967 geboren und irgendwie kam der Bausatz unvollständig an, ohne Beine. Ich war vom Umtausch ausgeschlossen und so bereitete ich meinen Eltern sicherlich am Anfang einiges an Kopfzerbrechen und Sorgen. Wussten sie doch nicht inwiefern ich selbständig werden würde und wie es mit einer Ausbildung oder aber auch mit einem Studium und überhaupt der Schule klappen würde.

2) Was war die größte Herausforderung für dich?

Für mich war es das Normalste der Welt, zumindest als Kind . Ich habe alles gemacht was ich machen wollte und zum Glück habe und hatte ich Eltern, genauso wie Verwandte die mich immer, wo sie nur konnten, gefördert und gefordert haben. Dies ist sicherlich eine der wichtigsten Voraussetzungen um nachher ein selbständiger Mensch zu werden.

In der Pubertät wurde es dann für mich schwieriger , denn Einiges konnte ich nicht genau so mitmachen wie z. B. tanzen gehen oder auch Skifahren, zumindest dachte ich das damals! Mein Vater hat mir zum wiederholten Male gezeigt, dass das nicht stimmt in dem er so lange herum telefoniert hat, bis er eine Möglichkeit für mich gefunden hatte. Der Parasport war noch in den Kinderschuhen und wir waren sehr glücklich in Tübingen jemanden zu finden, der uns einen umgebauten Mono Ski , Marke Eigenbau, auslieh. Mit ihm ging es nach Zell am See, wo mir ein Kriegsveteran, beidseits Oberschenkelexartikuliert, das Skifahren beibrachte .

Wieder einmal war eigentlich das allergrößte Problem die Unflexibilität der Menschen ohne Handicap, die sich dies einfach nicht vorstellen konnten und mich deshalb lieber erst einmal gar nicht mit dem Lift mitnehmen wollten . Der Beharrlichkeit meines Vaters war es damals zu verdanken, dass dies letztendlich doch glückte und ich zu einem recht ordentlichen Skifahrer wurde.

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Perspektivenwechsel mit Michael Schmid

Amputierter Anwender mit Handbike

Der letzte Perspektivenwechsel für 2019 und damit auch meinen letzten Blogbeitrag für dieses Jahr, gibt es heute für euch. In der Vorweihnachtszeit wird auf viele soziale Projekte aufmerksam gemacht und ich möchte euch heute über eine tolle Aktion informieren, welche ihr unterstützen könnt.

Welches herausforderndes Ziel sich Michael Schmid für nächstes Jahr gesetzt hat und wie ihr einen Beitrag dazu leisten könnt, erfahrt ihr nachfolgend:

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

1998 hatte ich einen schweren Autounfall, bei der ersten Operation kam es zu Komplikationen, welche eine sehr schwere Infektion im linken Knie zur Folge hatten. Über 10 Jahre brach diese immer wieder aus und es wurde in über 70 OPs versucht das Bein zu erhalten, 2008 musste ich dann nach 2 Jahren Krankenhausaufenthalt amputiert werden.

2) Was ist die größte Veränderung für dich mit der Amputation gewesen?

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Perspektivenwechsel mit Michaela Untersehr

Perspektivenwechsel mit Michaela

Heute am 4.11. ist CRPS Tag! 

Wie davon habt ihr noch nie gehört?

Denkt euch nichts dabei, ich habe selbst erst vor kurzer Zeit erfahren, dass es dieses Syndrom überhaupt gibt und was es für die Betroffenen bedeutet. Ich muss euch sagen, dass ich aus allen Wolken gefallen bin, als ich von den möglichen Auswirkungen gehört habe und bin sehr froh, dass uns die liebe Michaela, die seit vielen Jahren mit CRPS kämpft, einen Einblick gibt in ihre Welt und diese noch ziemlich unerforschte Erkrankung.

Was ist die Definition von CRPS? 

CRPS steht für Complex Regional Pain Syndrome (komplexes regionales Schmerzsyndrom). Das CRPS ist eine chronische neurologische Erkrankung, die nach einer Weichteil- oder Nervenverletzung, häufig in Zusammenhang mit der Fraktur einer Extremität auftritt. Für das CRPS vom Typ I wird häufig noch die ältere Bezeichung „Morbus Sudeck“ verwendet – benannt nach ihrem Entdecker Paul Sudeck (1866-1945), einem Hamburger Chirurgen.

Nachfolgend schildert uns Michaela wie bei ihr das CRPS ausgelöst wurde und was für Herausforderungen sie sich seitdem stellen muss. Ich kann euch allerdings jetzt schon sagen, dass das nichts für schwache Nerven ist und das Michaela meinen vollen Respekt hat wie sie ihr Schicksal meistert. Aber überzeugt euch selbst!

1) Wie und wann wurde CRPS bei dir diagnostiziert?

Der Treppensturz am 16.12.2013 hat bei mir die Erkrankung CRPS ausgelöst. Durch den Sturz hatte ich Prellungen an beiden Knien und an der rechten Gesichtshälfte. Das massive Trauma im linken Knie hat das CRPS ausgelöst. Die Diagnose vom komplexen regionalen Schmerzsydrom erhielt ich im Mai 2014, mir wurde damals die Erkrankung nur mit den Worten „so sagt man eben zu chronischen Schmerzen“ erklärt und es sei ja alles nicht so schlimm.
Hätte ich damals schon gewusst bzw. ausführlich die Erkrankung erklärt bekommen, wäre vermutlich der Verlauf nicht so schlecht. Da ich aber auf meinen Orthopäden und Schmerzarzt vertraut habe, habe ich Alles mit mir machen lassen, in der Hoffnung die Schmerzen werden endlich verschwinden.

2) Wie kam es im Rahmen von CRPS zur Amputation?

Da die Schmerzen nicht weniger wurden und laut dem MRT Bericht von Ende Dezember 2013 mein Innenband angerissen war, überlegten die Ärzte wie es weitergehen soll und beschlossen eine OP.
Da ich den Ärzten vertraut habe, ließ ich mich auf die Operation ein. Es sollte das Innenband versorgt werden und das was sonst kaputt ist behoben werden. Mein damaliger Orthopäde sagte mir bei dem Vorgespräch „Frau Untersehr, keine Sorge in 12 Wochen sind sie wieder fit!“
Die Operation, also ein weiteres Trauma, hat mein CRPS erst Recht angefeuert. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, die Bewegung im Knie immer weniger. Weitere Behandlungen und stationäre Aufenthalt in der Klinik verbesserten meinen Zustand nicht.
Deshalb wurde ich im August 2015 in der Uni Ulm nochmals zur multimordalen Schmerztherapie aufgenommen. Dort wurde mir über mehrere Tage ein Schmerzkatheter in der Leiste gelegt um mein Knie zu beruhigen. Durch dieses weitere Trauma breitete sich mein CRPS aus. Mein komplettes Bein von den Zehen bis über das Knie waren betroffen, ich konnte keine Berührung und keine Socken mehr ertragen.

Eine Verschlechterung trat durch die Therapie dort ein, ich kam in die Klinik mit Knieschiene und Unterarmgehstützen und verließ die Klinik im Rollstuhl.

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Perspektivenwechsel mit Kerstin Schulz

Beinamputierte Anwenderin mit Hüftex

Heute gibts wieder einen neuen Perspektivenwechsel und zwar mit der „unverwüstlichen“ Kerstin! Wir kennen uns schon einige Jahre und laufen uns immer mal wieder über den Weg, da wir den gleichen Orthopädietechniker haben. Warum sie von mir das Prädikat „unverwüstlich“ bekommt, davon erhaltet ihr nachfolgend einen ersten Eindruck:

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Ich habe mir 1993 ein Kreuzband gerissen und durch die darauf folgende Operation Keime in den Femur bekommen. Zwischen Sommer ’93 und Oktober ’09 folgten zahllose Operationen, mit dem Ziel, das Bein zu erhalten. Das waren in der Zeit bestimmt 150 OPs.

Durch eine der OP’s in Kombination mit der recht ausgedehnten Infektion hat sich 1996 irgendwann mein Nervus Femoralis verabschiedet, was wir aber erst sehr spät gemerkt haben, da irgendwann die Kniescheibe knöchern mit dem Femur verwachsen war und durch diese Versteifung keine Möglichkeit mehr bestand, den Quadrizeps, also die Muskeln zur aktiven Kniestreckung, zu verwenden.

2003 folgte dann ein künstliches Kniegelenk. 2004 der Versuch, den Nerv durch eine Muskeltransplantation zu reaktivieren und 2008 ein Wechsel von der Knie-TEP, da sich durch die wieder aufflammende Osteomyelitis das alte TEP gelockert hatte. Der Operateur hat das „Wechsel-Knie“ in die aktive Entzündung zementiert. Das war vermutlich nicht ganz optimal und da er versucht hat, seinen Fehler zu vertuschen auch richtig Sch… In dieser Zeit wäre ich mehrfach fast gestorben, aber weil ich stur bin hab ich überlebt.

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Perspektivenwechsel mit Julia Porzelt

Perspektivenwechsel mit Julia Porzelt

Nach einer kleinen Schaffenspause gibt es heute einen neuen Perspektivenwechsel mit einer ganz tollen jungen Frau, die wie ich aus dem schönen Chiemgau kommt.

Julia ist erfolgreiche ParaDressur-Reiterin und ist auf internationalen Turnieren und den deutschen Meisterschaften unterwegs. Bis letztes Jahr ist sie mit ihrem Pony Lettenhofs lovely Daintiness gestartet und dieses Jahr startet sie das erste mal mit Bruno 193 und wird ihre Erfolgsserie sicher fortsetzen. Wie sie zum Reiten gekommen ist und mehr über ihre Lebensgeschichte findet ihr nachfolgend.

1) Was ist der Grund, dass du Beinprothesen verwendest?

Ich habe von Geburt an eine Dysmelie beider Beine, d. h. ich bin mit Oberschenkeln aber ohne Knie geboren, deswegen trage ich beidseitig Beinprothesen.

2) Was war der größte Unterschied für dich mit den Prothesen?

Es gab bei mir keinen großen Unterschied zu Anderen. Ich war im normalen Kindergarten, normale Schule und habe dann eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht.

3) Was ist dein größter Ansporn fit zu bleiben?

Ich wollte genauso sein wie alle Anderen und mit ihnen mithalten können. Dadurch fordert man sich selber und geht über seine Grenzen. Außerdem tut man sich viel leichter mit allem, wenn man fit ist. Durch meine Liebe zu Pferden und therapeutisches Reiten bin ich zum Reitsport gekommen. Mit 9 Jahren habe ich angefangen Reitstunden zu nehmen. Beim Reiten trage ich aber keine Prothesen, da ich damit keinen guten Halt habe. Stattdessen benutze ich einen Spezialsattel und 2 Gerten.

4) Welchen Rat würdest du anderen Amputierten geben?

Sie sollen Alles geben und Alles versuchen zu machen. Manchmal sind Sachen zwar anstrengender oder sehen anders aus wie bei Anderen mit 2 Beinen, aber viele Aktivitäten funktionieren auch mit Prothesen und machen dann auch richtig Spaß!

Zudem hat bei mir persönlich ein Umdenken angefangen im Umgang mit meinen Prothesen. Es war für mich ziemlich schwierig Kleidung zu tragen bei der man meine Prothesen gesehen hat. Ich hab mich im Kleid oder Rock einfach überhaupt nicht wohl gefühlt. Ich habe nur weite und lange Hosen getragen, damit man die Prothesen ja nicht sehen kann.  Zum Glück gibt es mittlerweile verschiedenen Hersteller von Prothesencover, durch welche ich mich jetzt traue auch Kleidung zu tragen bei denen man die Prothesen sieht. Die tollen Designs der Cover von Cekoon haben mir den Mut dazu gegeben und mit ihnen fühle ich mich schön.

Ich finde es wichtig, dass man sich mit seinen Prothesen wohl fühlt und diese auch mag. Mit der Möglichkeit die Optik der Prothesen individuell zu gestalten, fällt es leichter diese als einen Teil von sich zu akzeptieren.

5) Was möchtest du noch gerne loswerden und soll die Welt über dich erfahren?

Ich möchte, dass Jeder weiß, dass fast alles möglich ist, wenn man es wirklich will!! Manchmal erfordert es einfach etwas Mut und Überwindung und man sollte nicht gleich beim ersten Mal aufgeben, wenn es nicht auf Anhieb klappt.

Ich denke viele von uns können sich an Julia ein Beispiel nehmen, da sie die Herausforderungen ihres Lebens so vorbildlich angeht und zeigt, dass man ein Hobby auch zur Berufung machen und erfolgreich Wettkämpfe bestreiten kann (auch mit einem Handicap).

Nachfolgend verlinke ich euch noch eine tolle Reportage über Julia und den Reitsport. Wer sich bis jetzt nicht vorstellen kann, wie sie in Action auf dem Pferd aussieht, kann sich hier ein Bild davon machen:

Perspektivenwechsel mit Corinna Heiss

Anwenderin mit BeinprothesePerspektivenwechsel mit CorinnaOberschenkelprothesenanpassung

Lebenserfahrungen verbinden, auch über Landesgrenzen hinweg, daher freue ich mich immer sehr, wenn ich auch aus Österreich und der Schweiz positives Feedback zu meinem Blog bekomme. Eine sehr engagierte Mitstreiterin aus der Nähe von Wien, welche nachfolgend offen ihre Geschichte erzählt und welche Pläne sie für die Aufbau der österreichischen Amputee-Community hat, ist die liebe Corinna. Lasst euch von ihren Erfahrungen motivieren und inspirieren!

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Vor knapp 5 Jahren, genauer gesagt am 12. April 2014, ging ich um die Mittagszeit mit meinem Freund aus seinem Elternhaus Richtung Auto.
Dabei krachte ein herannahendes Fahrzeug mit voller Geschwindigkeit in mein geparktes Auto und schleuderte es auf uns zu. Meinem Freund ist zum Glück außer ein paar Prellungen nichts passiert – mir hat es neben ein paar Brüchen (Becken, Schambein, Hand, etc.) an Ort und Stelle den rechten Fuß abgerissen. Man sollte eben nicht vor einem Zaun mit Steinkante stehen, wenn man von einem Auto getroffen wird. Obwohl mir der zerbrochene Holzzaun wahrscheinlich das Leben gerettet hat.

2) Was ist die größte Veränderung für dich mit der Amputation gewesen?

Es gibt vieles das sich verändert hat, aber damit meine ich nicht nur Physisches. Na klar, man muss sich mit der Prothese und dem Leben als Amputierte erst einmal zurechtfinden, man muss sich selbst wieder finden.
Ein solches Erlebnis verändert Jeden. Und es verändert die Sicht auf viele Dinge. Kleinigkeiten, die für mich früher ein großes Drama gewesen wären, über die lache ich jetzt.
Man muss aber im Gegenzug dazu lernen, die „kleinen Dramen“ von Familie und Freunden nicht als belanglos abzutun. Denn Jeder kann nur das nachvollziehen, was er selbst erlebt hat. Außerdem begreift man in dieser Zeit, wem man wirklich wichtig ist. Es gibt viele Leute, von denen ich gedacht hätte sie würde mich besuchen kommen, sich melden – doch ich habe nichts von ihnen gehört. Sogar aus der eigenen Familie. Dafür sind Menschen aufgetaucht, von denen ich es nicht erwartet hätte – und das hat mich dann umso mehr gefreut.

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Perspektivenwechsel mit Kathy Rüsbüldt

Oberschenkalamputiert mit SUPPerspektivenwechsel mit Kathy

Ich hoffe ihr seid Alle gut ins neue Jahr gestartet! Was sind eure Pläne für dieses Jahr und wie steht es um eure guten Vorsätze für 2019?

Einer der beliebtesten Vorsätze ist auf jeden Fall: mehr Sport machen! Also bei mir ist das definitiv ein Ziel für das neue Jahr. Allerdings tue ich mir schwer mich wöchentlich für die gleichen Übungen im Fitnessstudio zu motivieren und bin daher immer auf der Suche nach Abwechslung. Eine mögliche Inspiration für eine Sportart, die ich noch nie ausprobiert habe, repräsentiert die heutige Interviewpartnerin, die liebe Kathy aus dem hohen Norden.

Aktuell findet ihr sie auf der „boot“ in Düsseldorf mit ihrem Board in einer der Messehallen rumpaddeln. Wie es dazu gekommen ist und wie Kathy sonst so tickt erfahrt ihr nachfolgend:

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Ich bin 1979 als 4-Jährige unter die Straßenbahn gekommen und bin seitdem Oberschenkel amputiert.

2) Was ist die größte Veränderung für dich mit der Amputation gewesen?

Es klingt vielleicht vermessen zu sagen, dass ich Glück gehabt habe, dass der Unfall im Kindesalter passiert ist. Meine Mutter hat damals dafür „gesorgt“ dass so wenig wie möglich Veränderung in meinem Leben stattfand – trotz Prothese gab es kaum Extrawürste. Ich wurde keine Treppen hochgetragen und auf Bäume musste ich selbst klettern!

Es gab eine Situation an die ich mich noch erinnere, als ich aus dem Krankenhaus wieder daheim war. Eine Freundin wollte mich zum Spielen abholen und wir wohnten zu dieser Zeit in einem Mehrfamilienhaus im vierten Stock ohne Aufzug. Auf meine Frage hin „ob und wie…?“ kam von meiner Mutter nur: „Geh mal selbst die Treppen runter. Du hast zwei Beine, Du schaffst das“.

3) Was ist dein größter Ansporn gewesen wieder fit zu werden bzw. fit zu bleiben?

Da ich von klein auf amputiert bin, kenne ich es nicht anders und war immer in Bewegung. Seit meinem 12. Lebensjahr reite ich und besitze auch ein eigenes Pferd das mich seit 22 Jahren begleitet. Bis zur Schwangerschaft waren wir auch noch im Turniersport aktiv. Ich hab das Reiten auf Großpferden gelernt und bin mit ca. 17 Jahren auf Islandpferde umgestiegen und dabei geblieben.

2015 habe ich Stand up Paddling für mich entdeckt. Letztes Jahr stellte ich aber fest „nur rumpaddeln“ ist mir zu wenig und startete Anfang Juni 2018 meinen ersten Wettkampf. Diesem einen folgten weitere und ich konnte von Mal zu Mal meine Leistung steigern. Mein emotionalster Moment war der World SUP-Cup in Scharbeutz. Ich habe keine Medaille gewonnen und kam als Letzte ins Ziel, aber ich gewann eine Menge Respekt – damit hatte ich nicht gerechnet.

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Perspektivenwechsel mit Oliver Decker

Oberschenkelamputiert MotorradOberschenkelamputiert in Lederhose

Heute gibt es ein neues Kurzinterview und ich freue mich sehr, dass sich der liebe Oli auf meinen Aufruf gemeldet hat und bereit ist, seine Geschichte mit uns zu teilen. Oliver kenne ich aus der Gruppe „Prothesenbewegung“, einer SHG welche sich in München und Umgebung engagiert. Er ist, wie ich, ein aktives Mitglied unserer Gruppe „Peers im Krankenhaus“. Warum ihm die Beratung von anderen Amputierten am Herzen liegt und was seine größte Stütze war, als sein Bein amputiert werden musste, erzählt er uns nachfolgend:

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Am 11.08.2011 war ich mit dem Motorrad, zusammen mit meinem Sohn, zu einem Schnellrestaurant unterwegs. Auf der Rückfahrt wollte ich in einer Rechtskurve einen anderen Motorradfahrer überholen, diese war wegen des hohen Mais nicht einsehbar. Ich bin auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem entgegen kommenden Pkw frontal zusammen gestoßen.

Vermutlich bin ich mit meinem Knie an der A-Säule hängen geblieben. So lassen es zumindest die Bilder vom Unfall deuten. Den Abflug habe ich nicht mitbekommen. Erst das Rutschen auf dem Asphalt war mir wieder bewusst. Ich lag also auf der Straße und konnte mich nicht aufsetzen, da der Schulterknochen gesplittert war. Ich hatte Schmerzen in den Beinen und dachte, dass diese wahrscheinlich gebrochen sind. Ersthelfer banden mir das eine Bein ab. Da dachte ich schon, das muss wohl etwas mehr bluten. Irgendwann kam der Notarzt und man verfrachtete mich in den Rettungshubschrauber.

Meinem Sohn ist außer einer Schürfwunde und einem verknacksten Fuß zum Glück nichts passiert.

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Perspektivenwechsel mit Madlen Hammann

Perspektivenwechsel mit MadlenUnterschenkelprothese mit Kleid

Es freut mich sehr, dass ihr euch nach wie vor fleißig bei mir meldet und eure Geschichten mit mir teilt! Im nachfolgenden Kurzinterview lässt uns die liebe Madlen teil an ihrer Geschichte haben und ich bin ihr sehr dankbar, dass sie uns so offen und ehrlich einen Einblick in ihren Krankheitsverlauf und ihre tolle Entwicklung nach der Amputation gibt.

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Ich hatte eine angeborene Tibia Pseudarthrose als Folge einer Neurofibromatose. Mein Bein wurde mehrfach operiert und verlängert. Die Operationen waren mal mehr mal weniger erfolgreich. Durch die vielen Operationen waren die Muskeln, Sehnen, Nerven ziemlich strapaziert und die Kochen hatten abgebaut und waren verzystet.

Das die Amputation mal kommen würde war mir schon sehr lange klar, aber trotzdem habe ich nie aufgegeben für das Bein solange zu kämpfen wie es geht. Aus diesem Grund schloss ich mit mir den Pakt, dass ich nicht der Amputation zustimme, bis ich Alles getan habe was in meiner Macht steht, um das Bein im besten Fall zu erhalten und schmerzfrei zu sein.

Letztes Jahr konnte ich dann vor Schmerzen kaum noch gehen, jeder Schritt war eine Qual. Sport war nicht mehr möglich und allein der Einkauf im Supermarkt war eine Herausforderung. Auch wenn ich die letzten Jahre immer Schmerzen hatte und daher auch vor ein paar Jahren meinen Beruf als Physiotherapeutin an den Nagel hängen musste, stieß ich diesmal an meine Grenzen. Im August 2017 traff ich die Entscheidung, dass ich nichts mehr tun kann um mein Bein zu erhalten, was die letzten 30 Jahre so gequält wurde. Das war keine Entscheidung die man mal so nebenher trifft.

Ich hatte oft das Gefühl versagt zu haben und schwach zu sein, weil ich nicht mehr weiter um mein Bein kämpfen wollte. Was in dieser Zeit eine Bereicherung war, war der Kontakt zu Menschen die bereits amputiert waren und ein ganz normales Leben führten ohne Kompromisse. Zu sehen, dass es weiter geht war für mich ein Lichtblick und gab mir den Mut und die nötige Kraft.

Im Oktober hatte ich einen Termin bei in der BGU Tübingen in der Prothesensprechstunde und sprach dort mit einem Arzt und einer Orthopädietechnikerin, im November musste ich noch zum Psychologen und Schmerztherapeut und am 8.12.2017 war die Amputation. Als ich nach der Operation aufwachte, war es eine Erlösung, nicht nur für mich sondern auch für mein tapferes Bein, welches nun nicht mehr gequält wird und endlich „befreit“ wurde. Weiterlesen „Perspektivenwechsel mit Madlen Hammann“

Perspektivenwechsel mit Stefan Strauß

Sitzvolleyball Unterschenkelprothese

Letztes Wochenende war Berlin der Austragungsort der Deutschen Meisterschaft im Sitzvolleyball. Passend dazu möchte ich euch heute Stefan Strauß vorstellen, welcher sich bei mir gemeldet hat und an der Interviewserie auf meinem Blog gerne teilnehmen wollte. Stefan ist selbst aktives Mitglied im Leipziger Sitzvolleyballverein und hat eine pragmatische Einstellung im Umgang mit seiner Prothese. Beim Sitzvolleyball ist er auch in Kontakt mit der Prothesen-Orthesen Manufaktur in Leipzig gekommen und dort hat er nicht nur seine erste Laufprothese angepasst bekommen, sondern ist dort mittlerweile auch selbst beruflich tätig. Hoffe die Geschichte von Stefan inspiriert den ein oder anderen von euch und freue mich wie immer über euer Feedback!

1) Was war der Grund für deine Amputation und seit wann bist du amputiert?

Ich hatte mit 17 Jahren einen Motorradunfall und habe dabei meinen linken Unterschenkel verloren. Mittlerweile laufe ich schon seit 18 Jahren mit der Prothese.

2) Was ist die größte Veränderung für dich mit der Amputation gewesen?

Da ich schon so lange mit der Prothese laufe ist es für mich fast alles normal und zur Gewohnheit geworden. Ich ziehe mir meine Prothese an wie andere ihre Socken. Sie ist in erster Linie ein Fortbewegungsmittel, aber eigentlich auch ein Teil von mir.

Was ich am meisten vermisse ist Sand oder frisch gemähtes Gras mit beiden Füßen zu fühlen. Aber ansonsten lasse ich mich nicht mehr einschränken.

3) Was ist dein größter Ansporn gewesen wieder fit zu werden bzw. fit zu bleiben?

Ich habe mich mit 31 Jahren hypnotisieren lassen weil ich stark übergewichtig war. Das war der Neuanfang zu einem gesunden, sportlichen Leben.

Zu Beginn dachte ich, ich bin zu wenig behindert für Behindertensport. Dadurch, dass mir ein zweites Bein fehlte, war ich ja kein anderer Mensch. Vor fünf Jahren trat ich dann der Leipziger Sitzvolleyballmannschaft bei. Beim Sitzvolleyball selber stört die Prothese allerdings, deswegen spiele ich ohne.

4) Welchen Rat würdest du anderen Amputierten geben?

Ich wäre damals nach der Amputation froh gewesen, wenn mir Jemand die tollen Möglichkeiten aufgezeigt hätte, die man als Amputierter trotzdem oder gerade deshalb hat. Leider hat mir damals noch die Eigeninitiative gefehlt. Heute weiß ich: Teamsport hilft in so vielen Dingen. Ich möchte es nicht mehr missen wollen.

5) Was möchtest du noch gerne loswerden und soll die Welt über dich erfahren?

Menschen die nach einer Amputation zurück ins Leben finden wollen kann ich nur raten, sich mit ähnlichen „Schicksalen“ zu umgeben. Man hilft sich gegenseitig. Das macht das Ganze so viel leichter und man merkt sehr schnell dass es Vielen ähnlich ergangen ist.