Leiden in der zweiten Reihe – werden Angehörige gehört?

Angehörigen Anker

Sie sind unser Anker, sie fangen uns auf und spenden uns Kraft.

Lieben und Leiden liegen oft nah beieinander.

Wer kümmert sich bei einer Erkrankung eines geliebten Menschen um die Angehörigen?

Nachdem sich meine Entlassung im November zum fünften Mal gejährt hat, habe ich diese Zeit besonders bewusst mit meiner Familie verbracht und wir haben uns ausgetauscht, wie Jeder die Zeit damals für sich erlebt hat. Wir reden selten über das was war, zu sehr hat uns der Alltag wieder. Aber ich glaube es schadet nicht, hin und wieder zu reflektieren und zu sehen wie weit man gekommen ist.

Familie und Freunde des Betroffenen werden oft vergessen. Ihre Bedürfnisse, ihre Sorgen, ihre Ängste rücken in den Hintergrund. Sie haben keinen Platz da sich Alles um den Betroffenen dreht.

Das meine Leidensgeschichte meine Familie an den Rande des Erträglichen geführt hat, dass sie wegen mir fast auseinandergebrochen wären und mein Bruder am Kummer den er in sich hinein gefressen hat, selbst schwer erkrankte, dafür habe ich mir große Vorwürfe gemacht.

Ich glaube an keinen Gott und gehe nicht in die Kirche. Ich glaube nicht, dass Alles aus einem bestimmten Grund passiert. Ich glaube nicht an Schicksal. Aber in der Zeit habe ich gebetet, das Universum beschworen und war bereit Alles auf mich zu nehmen für das Wohl meiner Familie. Dafür das sie noch die Kraft haben weiter durchzuhalten. Dafür das die Sorgen die sie sich um mich machten, sie nicht auffressen. Dafür das am Ende Alles gut wird….

Ob man jetzt an die Macht von Gebeten glaubt oder nicht, heute haben wir das Schlimmste überstanden und wieder in unseren Alltag zurückgefunden. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Ich habe meine damalige Situation nicht verschuldet, aber meine Gewissensbisse waren trotzdem da, dass mein Umfeld diese Extremsituation mitmachen musste meinetwegen. Zwar wurde mir von ihnen immer wieder versichert, dass es doch selbstverständlich sei, dass sie an meiner Seite geblieben sind, aber für mich ist es das nicht. Denn ich bin mir sicher, dass ich ohne ihre Unterstützung heute nicht mehr auf dieser Welt wäre. Wenn ich ganz am Boden war und für mich keinen Sinn mehr gesehen habe weiter zu kämpfen, dann waren sie mein Antrieb mir zu sagen, dass ich es ihnen schuldig bin weiterzumachen und mich nicht aufzugeben. All die schlaflosen Nächte, das Hoffen und Bangen sollte nicht umsonst gewesen sein. Ich hatte das Bedürfnis, dem Ganzen einen Sinn zu geben, damit die harte Zeit nicht umsonst gewesen ist.

Psychologische Hilfe hat Keiner von ihnen in Anspruch genommen. Für sie ist es die beste Therapie, dass sie sehen, dass es mir wieder gut geht und ich das Beste aus meinem Leben mache.

Meine Familie ist bei mir geblieben, die ein oder andere Freundschaft hat die letzten Jahre nicht überlebt…ob es an meiner Krankheitsgeschichte lag? Ja vielleicht…

Ob es daran liegt, dass ich mich von bestimmten Leuten trennen wollte, weil sich meine Perspektive auf das Leben verändert hat und nicht mehr mit deren Ansichten zusammenpasst? Ja bestimmt…

Für die die übrig geblieben sind bin ich dankbar, denjenigen die andere Wege eingeschlagen haben wünsche ich alles Gute.

Das ist mein letzter Blogpost für 2018, daher wünsche ich euch heute schon besinnliche Feiertage, erlebt die „staade“ Zeit bewusst mit euren Liebsten und macht euch klar für was ihr dankbar sein könnt. Ich möchte mich für eure Unterstützung bedanken und für eure vielen positiven Zuschriften im diesem Jahr. Es freut mich, dass ich seit dem Start meines Blogs mit vielen tollen Leuten in Kontakt gekommen bin, Jeder von euch ist eine Bereicherung!

Meine Gedanken sind besonders bei denjenigen die dieses Jahr an den Feiertagen nicht zu Hause bei ihren Familien sein können, sondern Weihnachten und den Jahreswechsel im Krankenhaus verbringen müssen…ich selbst habe Silvester 2012/2013 auf Intensivstation verbracht. Kein schönes Erlebnis. Ich stoße dieses Jahr für euch auf ein (hoffentlich) gesundes neues Jahr an!

Eure CarbonEla

P.S.: Solltet ihr selbst Angehöriger sein oder Jemand kennen der eine Anlaufstelle benötigt, dann gibt es zum Beispiel die Möglichkeit sich bei der Lebenshilfe beraten zu lassen:

-> Lebenshilfe München: https://www.lebenshilfe-muenchen.de/beratung-und-begleitung/ein-vertrauliches-gesprach/

Sucht euch Hilfe! Ein offenes Gespräch kann manchmal Wunder wirken. Einmal aussprechen zu können ohne für Andere „stark“ und optimistisch sein zu müssen, ist gut für die innere Balance. Zusammen kann dann nach einem Weg gesucht werden, mit der schwierigen Situation umzugehen.

Es wird in psychosozialen und sozialrechtlichen Belangen beraten:

  • Arzt- und Krankenhauswahl
  • Ausfüllen von Anträgen – Überprüfen von Bescheiden
  • Eingliederungshilfe
  • Geschwisterproblematik
  • Hilfsmittel – Krankenkasse
  • Umgang mit Familie, Umfeld, Institutionen
  • Widerspruchsverfahren – Schwerbehindertenausweis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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