Die Suche nach dem perfekten Prothesenfuss!

Beinprothesen

Wer mir auf meinem Blog bzw. auf facebook oder Instagram folgt, hat sicher mitbekommen, dass ich mich nun endlich für neue Füße entschieden habe! Bei neuen Prothesenfüßen ist es wie mit neuen Schuhen, es gibt eine unglaubliche Auswahl von diversen Herstellern und was für den einen Anwender das richtige ist, muss nicht zwangsläufig passend sein für andere Anwender.

Dennoch habe ich mich mit verschiedenen Amputees ausgetauscht und mir von ihnen, über ihre Erfahrungen mit verschiedenen Prothesenfüßen, berichten lassen. Zudem hab ich mich mit meinem Techniker darüber unterhalten, was mir wichtig ist bei den neuen Füßen. Seit meiner Erstversorgung war ich beidseitig mit dem Triton von Otto Bock unterwegs und hatte dazu eine Skinergy Silikonkosmetik.

Grundsätzlich bin ich damit im Alltag gut zurechtgekommen, allerdings war es vor allem bei Schrägen wirklich ein Kraftaufwand die Steigung aus den Oberschenkeln zu meistern und da der Fuß eine fixe 90 Grad Einstellung hat, musste ich dann sozusagen auf den Zehenspitzen den Anstieg bewältigen. Da ich nah an den Bergen wohne und es definitiv ein Ziel von mir ist wieder mal aus eigener Kraft einen Gipfel der Chiemgauer Alpen zu besteigen, wollte ich Füße mit Knöchelhydraulik. Zum anderen hab ich mir mit dem Triton und der Silikonkosmetik schwer getan barfuß oder mit Schuhen mit dünnen Sohlen (z. B. Ballarinas) zu laufen, das sah dann immer aus wie ein Storch im Salat bzw. hat mir durch den harten Fersenauftritt nach einer gewissen Zeit der Rücken weh getan.

Tatsächlich hat es jetzt ziemlich genau 1 Jahr gedauert, bis ich mich entschieden habe. Denn zum einen habe ich 4 Modelle von 4 unterschiedlichen Herstellern probiert und hatte aber auch immer wieder Phasen dazwischen wo ich nicht getestet habe, weil mir schlichtweg  die Zeit gefehlt hat. Jeder der die Freuden und Leiden einer Prothesenversorgung kennt, weiß wie verdammt viel Zeit man in so einer Orthopädiewerkstatt verbringen kann. Aber dafür bekommt man auch ein individuell auf einen eingestelltes Produkt, mit welchem man im besten Fall schmerzfrei seinen Alltag bewältigt bekommt. Ich für mich weiß, dass ich sowohl fachlich als auch menschlich in guten Händen bei der Firma Pohlig aus Traunstein aufgehoben bin. Support your local technician! 🙂

Pohlig hat aber in ganz Deutschland Filialen, u. a. auch in München, was für mich natürlich perfekt ist. Also habe ich mich mit meinem Techniker in München über die verschiedenen Füße unterhalten und mit dem Odyssey von Streifeneder gestartet, da dieser zu dem Zeitpunkt ziemlich neu auf dem Markt war und mein Techniker gleich mal Erfahrungswerte sammeln wollte.

Ich bin voller Vorfreude zum Termin gekommen, damit mir mein Techniker die Odyssey Füße anschraubt zum Test laufen. Um es einfach zu gestalten und nicht immer meine Silikonkosmetik abnehmen und wieder draufkleben zu müssen, habe ich meine Badeprothesen für die Testphasen verwendet. Die hatte ich mir nämlich bewusst ohne Kosmetik machen lassen, was sich jetzt als sehr praktisch herausgestellt hat.

Als ich dann die ersten Schritte mit den ersten Füßen mit Knöchelhydraulik gemacht habe war ich enttäuscht. Der Unterschied zur Dynamik und Auftritt- bzw. Abrollverhalten war echt nicht weltbewegend. Das war eine ziemlich ernüchternder Moment, da ich mir wesentlich mehr davon erhofft hatte. Eigentlich hätte ich den Odyssey gleich bei meinem Techniker zum Zurückschicken lassen können, habe ihn dann aber für 2 Wochen zum Testen mitgenommen, aber mein erster Eindruck hat sich dann nur gefestigt.

Also haben wir uns im Anlauf Nummer 2 für den Kinterra von freedom innovations entschieden. Was ich hier schon mal gut fand ist, dass man von freedom innovations immer ein neues Paar Füße bekommt (auch zum Testen). Zum Glück war diesmal sofort ein wesentlich angenehmeres Gangbild spürbar. Im Gegensatz zum Triton hatte ich wirklich das Gefühl als würde ich auf Wolken laufen. Das war schon eher der Fortschritt beim Laufen, den ich mir mit den neuen Füssen vorgestellt hab. Bei freedom innovations bekommt man die Füsse 30 Tage zum Testen und ich habe dann noch einen Inbusschlüssel mitbekommen von meinem Techniker, da man am Fuß selbst die Härte bei Fersenauftritt und Abrollverhalten einstellen kann.

Am darauffolgendem Wochenende gings dann gleich mit den Füßen ins Gelände, durch den Wald, verschiedene Untergründe ausprobieren, Schrägen rauf und runter und dann am Samstagabend ab auf die Piste und die ganze Nacht das Tanzbein geschwungen. Und was soll ich sagen, sie haben den Alltags- und Freizeittest bestanden 🙂

Da ich aber von vielen Anwendern noch ans Herz gelegt bekommen habe den Proflex von Össur auszuprobieren, wollte ich da zumindest mitreden können, obwohl ich schon sehr angetan war von den Kinterra Füßen.

Also haben wir die Kinterra wieder zurückgegeben und mein lieber Techniker hat das dritte Paar Testfüße für mich angefordert. Der Proflex hat keine Hydraulik wie es der Odyssey und der Kinterra hat, sondern eine Art Gelenkkette dran, womit man aber ähnliche Funktionen bei den Füßen hat, als mit der Hydraulik. Was gleich mal auffällig ist beim Proflex ist, dass es einen höheren Aufbau hat als die anderen Füße, somit war ich gleich mal um 2 cm höher geschraubt, so dass mir meine Hosen alle zu kurz waren. Da es aber erst mal noch Testphase war und ich mit meiner Entscheidung noch unsicher war, wollte ich jetzt die Verbindungsrohre nicht einfach auf meine eigentliche Größe kürzen lassen. Glücklicherweise war es zwischenzeitlich schon Sommer und ich konnte mit Rock rum laufen, dass war dann auch das erste Mal, dass ich ohne Prothesenkosmetik und mit Rock im Büro, beim Einkaufen usw. war.

Tatsächlich dachte ich, dass ich mit meinen fast 1,80 m Terminatorauftritt mehr Aufsehen erregen würde, war dann fast ein bisschen enttäuscht, dass ich damit anscheinend gar keinen schocken konnte, sondern ganz viele Komplimente und interessierte Fragen zu meiner Prothesenversorgung bekommen habe.

 

Generell kann ich sagen, dass der Proflex ein toller Fuß ist und mir die Entscheidung zwischen dem Kinterra und dem Proflex nicht leichtgefallen ist, aber der Kinterra gibt mir als beidseitig unterschenkelamputierte Anwenderin eine bessere Standfestigkeit. Der dynamische Proflex beidseitig ist mir in den Standphasen dann einfach zu wacklig gewesen. Somit ging der Proflex wieder zurück an Össur und meine Entscheidung war eigentlich klar. Allerdings habe ich etwas ganz Entscheidendes vergessen. Da ich den Kinterra in den kalten Monaten getestet hatte, habe ich total verplant, dass es natürlich eine Anforderung von mir ist, dass der Fuß für Wasser geeignet sein sollte. Wie der ein oder andere bestimmt mitbekommen hat, verreise ich gerne Mal in ferne Länder und habe da einfach gar keine Lust immer meine Badeprothesen mitzuschleppen.

Leider kam dann die ernüchternde Nachricht von meinem Techniker, dass der Kinterra nicht als wasserfest eingestuft ist. Als letzte Möglichkeit hat er mir dann noch den Echelon von Endolite vorgeschlagen, da man mit diesen auch bedenkenlos ins Wasser gehen kann. Also Prothesenfüße Numero 4 bestellt zum Testen. Relativ schnell habe ich aber gemerkt, dass der Echelon nicht ganz mit den Laufeigenschaften des Kinterra mithalten kann aus meiner Sicht. Da nun die Zeit etwas knapp wurde und ich ja unbedingt mit meinen neuen Füßen in den nächsten Urlaub starten wollte, haben wir den Kostenvoranschlag für die Kinterra-Füße bei meiner Krankenkasse eingereicht und mein Techniker hat auch gleich nochmal die Bestellung bei freedom innovations aufgegeben. Ich habe dann parallel recherchiert und mich direkt an freedom innovations gewandt, um wegen der Wassertauglichkeit nachzufragen. Von freedom innovations habe ich dann die Info bekommen, dass ich mit den Füßen schon ins Wasser gehen kann, aber sie nicht zur dauerhaften Benutzung im Wasser vorgesehen sind und ich nur aufpassen soll, dass ich sie nach dem Kontakt mit Wasser wieder trockne.

Das hat mir als Info ausgereicht, dass ich mit den Testfüßen nach Thailand geflogen bin und das gleich mal mit der Wassertauglichkeit ausprobiert habe und ich muss sagen es war Alles super damit!

Meine Gipfeltour habe ich jetzt noch nicht in Angriff genommen, aber der Sommer kommt ja noch und bin auch noch am Abwägen, welche Tour ich mir für den Anfang zutraue. Aber meine Füße kann ich jetzt zumindest nicht mehr als Ausrede hernehmen 😉

Also ihr seht, was lange währt wird endlich gut und das Mädchen hat ihre neuen Füße (jetzt auch mit lackierten Fußnägeln, passend zum Sommer!). Ich hoffe ihr habt den richtigen Fuß für euch schon gefunden oder seid ihr vielleicht auch gerade auf der Suche? Gebt euch auf jeden Fall nicht mit dem erstbesten zufrieden, Geduld und Durchhaltevermögen zahlen sich am Ende aus!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und immer passende Füße die euch tragen.

Eure CarbonEla

 

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