Zurück in die Arbeitswelt

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Foltermittel der Ergotherapie

Im Mai 2014 war es soweit. Die Wiedereingliederung in meinen alten Job stand an, nachdem ich 1,5 Jahre krankgeschrieben war und davon ein komplettes Jahr im Krankenhaus verbrachte.

In meinem Job in Deutschlands größtem Loyaltyprogramm, war ich ziemlich genau ein Jahr tätig, bevor die Krankenhauszeit begann. Lange war nicht klar wann und ob ich überhaupt wieder in meinen Job zurückkehren könnte. Mein Arbeitgeber hat mir zum Glück zu keinem Zeitpunkt Druck gemacht. Ich konnte mir die Zeit nehmen mein Leben nach der Entlassung aus dem Krankenhaus so einzurichten, damit ich einen möglichst guten Start hatte.

Erst nach über einem halben Jahr im Krankenhaus hatte ich die Kraft, meine Chefin anzurufen und zu erzählen was passiert war. Der Auslöser war, dass ich zu meinem Geburtstag ins Krankenhaus eine Karte mit Fotos und persönlicher Widmung aller meiner damaligen Teammitglieder und Blumen bekommen habe. Das hat mich echt gerührt, dass sie immer an mich gedacht haben und auch als ich Niemanden von ihnen im Krankenhaus sehen wollte, habe ich doch immer Nachrichten und Genesungswünsche von Allen erhalten.

Meine Chefin war natürlich geschockt, als ich ihr von der Amputation erzählt habe und dass mir noch die Reha bevorsteht, auf der ich wieder Laufen lernen sollte. Es wurde dann Jemand, befristet für ein Jahr, für meine Stellvertretung eingestellt. Das hat mir sehr geholfen, da ich am Anfang nur stundenweise wieder ins Büro kam.

Zudem wurde mir ein kostenloser Tiefgaragenstellplatz zur Verfügung gestellt und gefragt, ob ich weitere Anpassungen an meinem Arbeitsplatz benötige. Da die Firma in einem modernen Bürogebäude ist, gibt es Aufzüge und (meistens funktionierende) Rolltreppen, so dass ich keine Probleme habe dort von A nach B zu kommen. Zusätzlich ist hilfreich, dass ich die Möglichkeit habe einzelne Tage von zu Hause zu arbeiten. Darüber bin ich besonders froh, wenn mich die Prothesen ärgern und ich offenen Stellen oder Druckstellen habe. Glücklicherweise kann ich mir meinen Arbeitstag selbstständig so einteilen, dass ich meine Termine bei Ärzten, Orthopädietechnikern, Ergo- und Physiotherapie etc. gut unterbringen kann.

Meine Kollegen haben sehr gut auf mich und die neue Situation reagiert. Ich hatte meine Chefin gebeten, alle vor meinem 1. Arbeitstag über die Amputation zu informieren, wobei ich vermute, dass der Flurfunk das schon erledigt hatte. Nach und nach hatte ich dann mit Jedem ein Gespräch, in dem ich mit Engelsgeduld die Fragen beantwortet habe. Heute ist mein Handicap selten Thema in der Firma, denke meistens vergessen wir Alle, dass ich ohne Füße durch die Gänge laufe.

Ich fühle mich gleichgestellt mit meinen Kollegen. Ich leiste genauso gute Arbeit und habe in stressigen Situationen oft die entspanntere Haltung. Überhaupt mache ich mir nicht mehr so viel Stress in der Arbeit, denn meine Sicht auf bestimmte Dinge ist einfach viel gelassener als früher. Ich denke einen Teil dieser Souveränität habe ich meiner Krankheitsgeschichte zu verdanken. Sie hat mir sehr deutlich gezeigt, es ist nicht Alles planbar und kontrollierbar im Leben.

In diesem Sinne, wünsche ich euch noch eine schöne Restwoche und immer locker bleiben 😉

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