Musikalischer Reha-Endspurt

headphones-2789078_1280Es läuft immer besser mit den Prothesen. Das Training schlägt an und ich bewege mich mit Krücken auch schon außerhalb der Klinik, aber weite Strecken sind lange noch nicht drin. Die Wunden an den Oberschenkeln reißen beim Gehen immer wieder auf und bluten, aber ich bin Schlimmeres gewöhnt. Auch meine anderen Wunden am ganzen Körper wachsen langsam zu. Oft werde ich angesprochen, ob ich ich ein Feuer überlebt habe, da die Wunden auf meiner blassen Haus anscheinend für Viele wie Verbrennungen aussehen. Normalerweise habe ich kein Problem den Leuten die richtige Geschichte zu erklären, aber manchmal ist es anstrengend zu erzählen was mir passiert ist.

Manchmal hab ich mir überlegt zum Spaß eine etwas spektakulärere Geschichte zu erzählen. HIT Typ II hört sich ziemlich lame an. Eine spannende Unfallgeschichte wollen die Leute wohl manchmal lieber hören. Kann ich aber leider nicht bieten….

Die Prothesen müssen immer wieder mal angepasst werden bzw. gleiche ich die Stumpfschwankungen mit speziellen Strümpfen aus. Zu dem Zeitpunkt habe ich die Strümpfe noch in weiß und sie sehen echt aus wie Tennissocken. Später als ich zurück in meiner Wohnung war hab ich sie schwarz eingefärbt, weil ich das stylischer fand. Mittlerweile hab ich aber herausgefunden, dass es die Strümpfe auch standardmäßig in anderen Farben gibt. Die Strümpfe gibt es in 2 unterschiedlichen Stärken, also dickere und dünnere Strümpfe. Besonders in der Anfangszeit, wenn man länger unterwegs ist, niemals die Socken vergessen! Auch beim Sport hab ich sie immer dabei.

Wenn der Schaft nicht richtig sitzt und man zu tief in die Prothese rutscht kann es zu schmerzhaften Druckstellen kommen und das gilt es zu vermeiden, damit man schmerzfrei laufen kann.

Manchmal komm ich mir in der Reha vor wie ein altes Zirkuspferd, wenn ich zum xten Mal die gleiche Übung machen soll. Aber das permanente wiederholen der Bewegungsabläufe hilft und dass ich mittlerweile noch eine Krücke verwende ist eigentlich nur noch Kopfsache. Ich will die Krücke nicht aus der Hand geben, weil ich Angst habe, dass ich hinfalle, mich verletzte und die ganze Arbeit der letzten Monate für den Arsch ist.

Was hat mir geholfen die Krücke in die Ecke zu schmeißen und frei zu gehen?

Die Antwort ist: MUSIK

In einer Gruppenstunde hat der Sporttherapeut mich zu einem Tanz mit ihm aufgefordert. Bei der Drehung hat er dann nacheinander meine Hände losgelassen und ich stand mitten im Raum. Nachdem er keine Anstalten machte mir zu helfen, sondern mich nur aufgefordert hat mit „Lauf, du kannst das“, hab ich die ersten freien Schritte gemacht. Ein geiles Gefühl!! Es war eine enorme Überwindung, aber glaub ich hab den Arschtritt in dem Moment einfach gebraucht.

An dem Tag hat mich meine Mutter abgeholt für das Wochenende und ich war so stolz und glücklich ihr als Erste zu zeigen, dass ich mein Etappenziel erreicht habe! Wir haben zusammen geweint, aber diesmal waren es das erste Mal seit langem Freudentränen.

Ich finde die richtige Musik kann einen super motivieren und kann bei schlechter Laune wahre Wunder wirken. Total inspirierend fand ich auch die Teilnahme von Amy Purdy bei Dancing with the stars und von Heinrich Popow bei Let`s dance. Schaut euch mal die Videos auf youtube dazu an, kann ich nur empfehlen.

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