Depression im Krankenhaus und das lange Warten auf die Reha

Depression Krankenhaus

Nach 3 Monaten Intensivstation wurde ich auf Normalstation verlegt. In ein Einzelzimmer. In Quarantäne. In einer der zahlreichen OPs hatte ich einen multiresistenten Keim in die offenen Wunden am Oberschenkel bekommen. Pseudomonas heißt der hartnäckige Begleiter.

Aufgrund des Keims heilten meine großflächigen Wunden, von der Hautverpflanzung, nicht mehr zu. Man könnte denken, dass ich zu diesem Zeitpunkt meine schlimmste Zeit schon hinter mir gehabt hätte…leider nein.

Jetzt erst wurde festgestellt, welchen Schaden meine weiteren Organe genommen hatten. Eine weitere schwerwiegende OP musste vorgenommen werden im kleinen Becken, was zur Folge hat, dass ich keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Diese OP und der Keim verlängerten meinen Krankenhausaufenthalt beträchtlich.

Im Mai 2013 wurde zum ersten Mal über eine Rehamaßnahme nachgedacht, welche ich dann nach zweimaliger Verschiebung im August 2013 antrat. Der Start der Reha wurde zweimal verschoben, weil meine offenen Stellen die Anpassung von Prothesen nicht zugelassen hätten. Psychisch war die Zeit von Mai-August die härteste für mich. Warum?

Mir wurde langsam klar, dass ich überleben würde. Mir wurde klar, dass mein Leben nie wieder so werden würde wie früher.

Durch das stufenweise Absetzen der starken Medikamente wurde ich wieder klar im Kopf und ich war nicht mehr in dem Modus von einem Tag zum anderen überleben zu müssen. Ich sah für mich eine Zukunft und die war SCHWARZ.

Ich hatte wahnsinnig viel Zeit mir Gedanken zu machen in dem Einzelzimmer und mir hat Jemand gefehlt, den ich mir als Vorbild hätte nehmen können. Jemand der mit Prothesen durchs Leben marschiert und mir zeigt, da geht noch so Einiges! Umgeben von lauter „Zweibeinern“ die mir die Scheiße in der ich steckte als Gold verkaufen wollten, dass hat mich richtig sauer und aggressiv gemacht!!! Leider habe ich das an den Menschen ausgelassen, die mir damals wie heute am nächsten standen. Das tut mir aufrichtig leid.

Ich hatte damals Suizid-Gedanken. Ich habe mir überlegt, ob ich es schaffen würde aus dem Rollstuhl auf die Fensterbank zu kriechen und mich dann aus dem 3. Stock fallen zu lassen. Warum ich es nicht gemacht habe? Weil ich mir dachte, wenn ich Pech habe, dann sterbe ich nicht, sondern werde gleich wieder in die Notaufnahme gefahren und hab dann evtl. noch mehr bleibende Schäden und bin ein Pflegefall. Das Risiko wollte ich dann doch nicht eingehen. Ich bin ja nicht doof 😉 Außerdem hatte ich das Gefühl es den Menschen, die mir in der Zeit zur Seite gestanden sind, die mich regelmäßig besucht haben und für die diese Situation auch so unerträglich war, schuldig zu sein zu kämpfen. Wenn ich schon nicht für mich weiterleben wollte in der Zeit, dann wollte ich es zumindest für sie tun.

Aber natürlich wurde mich ein Psychiater geschickt, der nach 15 Minuten Gespräch, als Allheilmittel Antidepressiva verordnet hat. Ich habs genommen für 1 Woche, ich hab keine Veränderung bemerkt und habe es gegen den Rat der Ärzte wieder abgesetzt. Jeder muss selbst entscheiden was ihm hilft und mir war klar, ich muss die Möglichkeit bekommen mein Leben wieder selbst aktiv zu gestalten. Aus dieser Einzelhaft ausbrechen. Mich von dieser Opferrolle befreien! Und die Möglichkeit habe ich endlich gesehen, als ich im August 2013 in die Rehaklinik verlegt wurde.

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