5 Jahre sind vergangen….

Sanduhr für Wartezeit

Rückblick November 2012:

Samstagmorgen 4 Uhr früh, ich komme nach einer durchtanzten Nacht mit einer Freundin aus dem Club, es war eine gute Nacht 🙂 und es sollte für lange Zeit meine letzte Party gewesen sein…

Dieses Stechen in meinem rechten Unterschenkel hatte ich nur schon den ganzen Tag, naja ich dachte nach ein paar Stunden Schlaf und Ruhe gibt sich das wieder.

Leider wurde es nicht besser und ich hatte schon die Vermutung, dass es eine Venenentzündung ist. Warum? Weil ich die Veranlagung dafür in der Familie habe. Ist zwar ärgerlich, aber mit paar Spritzen und ein paar Wochen mit supersexy Stützstrumpf wird das problemlos vorbeigehen, dachte ich. Am nächsten Tag standardmäßig Heparinspritzen verschrieben bekommen und 1 Woche Krankschreibung. So lang war ich davor noch nie krankgeschrieben worden. Ganz schön lang hab ich mir damals noch gedacht…wenn mir damals Jemand gesagt hätte, dass aus 1 Woche 1,5 Jahre werden, hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt.

Tatsächlich hatte ich das große Glück 30 Jahre kerngesund durch Leben zu gehen. Warum sollte ich mir also Gedanken machen, dass etwas schieflaufen könnte..so naiv rückblickend…

Was danach passierte versuch ich möglichst kurz zusammenzufassen, da ich keine Lust habe über 2.000 Seiten (ja es sind wirklich so viele), vom Krankenhaus dokumentiertes Leiden hier wiederzugeben.

Durch die Heparinspritzen, welche ich mir die ersten Tage brav selbst in den Bauch gespritzt habe, bin ich an einer HIT Typ II erkrankt. WTF ist das? Heparin ist doch ein Standardmedikament zur Blutverdünnung, wie kann das sowas auslösen?

Erklärung zur HIT Typ II

Ich will keine Panik verbreiten und gleich dazu sagen, dass ein Fall wie meiner sehr selten vorkommt. Aber jedes Medikament kann gravierende Nebenwirkungen haben. Mein Zustand verschlechterte sich nach Einlieferung ins Krankenhaus dramatisch. Ich wurde auf die Intensivstation verlegt und blieb dort für 3 Monate.

Da die Erkrankung nicht zeitnah diagnostiziert wurde, bekam ich im Krankenhaus weiter Heparin verabreicht, was zur Folge hatte, dass v.a. meine Beine, als auch verschiedene Organe irreversibel geschädigt wurden. Alles nekrotische Gewebe musste in über 40 OPs. entfernt werden (ich hab irgendwann aufgehört die OPs zu zählen). Meine Beine starben mir bei vollem Bewusstsein ab. Sie sahen aus wie getrocknete Rosinen oder wie bei einer Mumie und mir war klar, dass ich mit diesen Beinen nie wieder laufen können würde. Damit einher ging eine Sepsis und Multiorganversagen. Als mir im Januar 2013 von den Ärzten gesagt wurde, dass die Amputation beider Unterschenkel meine einzige Überlebenschance ist, war ich nicht wirklich überrascht. Die Amputation war am 18.1.2013.

 

4 Kommentare zu „5 Jahre sind vergangen….

  1. Ja ja, die gute HIT 2. Immer wenn man sie irgendwo erwähnt, bekommen alle große Augen.
    Weißt du, ob du sie noch hast?
    Ich darf seit diesem Jahr wieder niedermolekulares Heparin bekommen.

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  2. Vielen Dank für dein positives Feedback! Freut mich wirklich sehr 😊 Da es kaum vergleichbare Blogs gibt zu diesem Thema, dachte ich, ich fang mal selbst an zu schreiben. Und bisher hab ich es nicht bereut und freue mich Leuten dadurch zu helfen bzw. ein Bewusstsein zu schaffen 😊

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  3. Was ein Blog und was für eine Geschichte. Ich bin baff und absolut überwältigt von so viel Stärke und Lebenswillen. Dadurch, dass ich mit einem shcwerbehinderten Stiefvater (Querschnittslähmung) aufgewachsen bin, bin ich mir der Barrieren im Alltag bewusst und habe mir durchaus mal die Frage gestellt, was wäre eigentlich wenn…? Dabei blieb es aber in der Regel, denn was dann eigentlich wäre, ja, darauf hatte ich nie eine Antwort, ich glaube, darauf hat keiner eine Antwort, bis es mal so weit ist… Ich werde gleich mal weiterlesen und danke, dass du über sowas wichtiges schreibst…

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